Montag, 12. Juli 2010

Statistiken und Karten

Zuletzt werde ich euch noch mit einigen Statistiken zum letzten Jahr belästigen.

Zunächst einmal die Städte, die ich in der Türkei und den Nachbarländern besucht habe:
Türkei
Landkarte von StepMapStepMapTürkei

Hier die Städte, die ich auf den beiden Reisen per Bahn von Istanbul nach Deutschland besucht habe:
Interrail
Landkarte von StepMapStepMapInterrail

Hier eine Übersicht meiner Flüge (allerdings nicht nur aus dem letzten Jahr, großteils jedoch schon):
http://my.flightmemory.com/wirfweg


Bereiste Länder in den letzten 12 Monaten:

- Deutschland
- Türkei
- Schweiz
- Syien
- Vereinigte Arabische Emirate
- Indien
- Bulgarien
- Rumänien
- Ungarn
- Slowakei
- Österreich
- Griechenland
- Mazedonien
- Serbien
- Kroatien
- Slowenien
- Tschechien
- Polen
- Georgien
- (wird in zwei Wochen hinzukommen: Niederlande)

also insgesamt 20, davon habe ich 14 zum ersten Mal in meinem Leben gesehen

Lang ist der letzte Eintrag her, viel ist passiert...

Der letzte Abschnitt unserer Heimreise sollte Polen sein, doch zunächst die wichtigsten Punkte vom letzten Tag aus Prag. In quälender Hitze erklommen wir (eher unfreiwillig) einen der Hügel um Prag herum, was immerhin durch einen schönen Blick entschädigt wurde. Weiter ging es zur Burg, die eigentlich ein eigenes Stadtviertel darstellt und gewaltige Ausmaßen besitzt. Letzten Tagesordnungspunkt stellte dann das tägliche Bier mit Blick über Stadt dar. Einiger Schweiß musste dranglauben bis wir auf dem Hügel waren und dort gleich noch das große stadtüberragende Pendel in Augenschein nehmen konnten, das anstelle einer ehemaligen Stalinstatue steht.
Prag Teil 2

Abends folgte der für uns letzte Nachtzug nach Krakau. Dort hatten wir ein luxeriöses 3-Bett Abteil mit Klimaanlage und Waschbecken - bisher eindeutig der modernste Nachtzug, den ich jemals genutzt habe.

In Krakau angekommen, begrüßte uns der Regen - was ein Gegensatz zu der Hitze in Prag. Durch einen glücklichen Zufall - Isabell, Indien, AIESEC Praktikant - kannten wir jemanden, bei dem wir übernachten konnten und der uns die Stadt zeigte. Angeblich soll Krakau die schönste Stadt Polens sein, da die Häuserstruktur alt und die Sehenswürdigkeiten groß in der Zahl sind. Vom jüdischen Viertel mit Friedhof und Synagoge ging es an der Wawel-Burg vorbei in die Innenstadt. Gutes Essen und Bier sorgten dafür, dass wir abends gut präpariert tanzen gehen konnten. Am drauffolgenden Tag stand die Wawel-Burg auf dem Programm, inklusive Kathedrale, Grab von Lech Kaczinsky und den ehemals königlichen Palasträumen. Nicht zu vergessen auch die Drachenhöhle mit feuerspeiender Drachenstatue. Am späten Nachmittag gings dann per Express-IC in nur 2,5 Stunden nach Warschau.
Krakau

Der Bahnhof dort gehört schon zu den eindrücklichsten Erlebnissen: ein typischer 60er Jahre Bau und seit dieser Zeit unrenoviert besitzt einen ganz eigenen Charme. Ebenso das im Plattenbau untergebrachte Hotel, welches jedoch innen kernsaniert und sehr ordentlich war.

Der erste Tag in Warschau begann mit einer kurzen Tour durch die wiederaufgebaute Innenstadt, die mittlerweile Weltkulturerbe ist. Dieser kleine Teil Warschaus besticht durch äußerst ansehnliche Häuser, während der weitgehende Rest in typischer Plattenbaumanier hochgezogen wurde. Am frühen Nachmittag trafen wir dann einen polnischen Erasmus-Kommilitonen aus Istanbul, mit dem wir uns verabredet hatten. Gemeinsam schauten wir uns das Museum zum polnischen Widerstand und dem Aufstand im Warschauer Ghetto an. Ein sehr gut durchdachtes Museum, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Zum Essen gings in eine "Milch-Bar", die aber rein gar nichts mit Milch und auch nichts mit einer Bar zu tun hat. Diese Art von Essensgelegenheiten sind ein Überbleibsel aus der sowjetischen Zeit und bestechen durch ihre günstigen und guten Gerichte. Der Obdachlose sitzt neben der Hausfrau oder dem Manager und keiner stört sich am Nachbarn. Nach einem Bierstop ging es weiter ins Kino, aber nicht um einen Film zu schauen, sondern um das Deutschlandspiel gegen Spanien in 3D zu verfolgen. Eine sehr interessante Erfahrung mit einer 3D-Brille auf der Nase das Fußballspiel zu verfolgen.
Warschau

Der nächste Tag stand im Zeichen der qualmenden Füße, denn es ging auf Schusters Rappen durch weitere schöne Ecken Warschaus, u.A. an der Universität vorbei zum Präsidentenpalast. Im Park gönnten wir uns etwas Entspannung.

Der nächste Tag läutete das Ende unserer fast dreiwöchigen Tour ein, da es morgens mit dem Zug in Richtung Deutschland und Heimat ging, wo wir kurz nach Mitternacht ankommen sollten.
Der erste Zwischenstop lautete Frankfurt (Oder), wo wir einen kurzen Rundgang durch die Stadt, inklusive der Oderbrückenüberquerung nach Polen, unternahmen.
Frankfurt (Oder)

In Berlin blieb uns mehr Zeit, so dass wir auch dort wie schon in Zagreb und Warschau ehemalige Kommilitonen aus Istanbul treffen konnten. Zunächst haben wir mit Immi in Kreuzberg leckeres Eis gegessen  und danach Bier getrunken, bevor es mit Anita und Malaika zur Strandbar ging. Die Stunden verflogen schnell, die Erinnerungen an Istanbul wurden wach und dann hieß es auch wieder Abschied nehmen und endgültig nach Hause kommen.
Berlin

Soweit von mir, das war mein Jahr in Istanbul... Ab jetzt heißt es die nächste Kulturhauptstadt erkunden, nach Istanbul folgt Essen.

Sonntag, 4. Juli 2010

Salzburg bis Prag

Unglaublich in Salzburg so nah an Deutschlands Grenze zu sein. Doch leider war trotz deutschem "Blickkontakt" kein Handyempfang möglich. Der Bahnhof ist wie auch in Wien eine einzige Baustelle, erfreulicherweise von HochTief, wie ich als deren zukünftiger Praktikant feststellen durfte. Läppische 6 oder 7 Jahre dauert das ganze Projekt, so dass man bis dahin jeglichen Komfort und scheinbar auch freundliches Personal verzichten muss - willkommen im deutschsprachigen Raum. Das Gepäck blieb am Bahnhof und dann gings in sengender Hitze zur Aussichtsplattform auf den Berg. Die Stadt Mozarts schaut von oben recht einladend ein, was aufgrund großer Touristenmassen in den engen Altstadtgassen nur eingeschränkt zutrifft. Die Highlights sind auch schnell aufgelistet und ebenso schnell abgearbeitet: Kirchen, Kirchen, Kirchen, Mozarthaus 1, Mozarthaus 2 etc etc...


Salzburg

Diesmal sollte die Übernachtung preisgünstig erfolgen, die Stadt ist teuer genug. Über drei Euro für ein Bier, wer soll das denn bezahlen? Solche Preise habe ich zuletzt vor einem Jahr in Deutschland erlebt. Was man dafür in Syrien, Georgien, Serbien oder gar in Indien alles erstehen könnte... Nuja, die Lösung lautet Couchsurfing, eine Plattform, auf der man eigene Übernachtungsgelegenheiten gegen andere eintauscht. So durften wir bei Thomas im Gästezimmer schlafen, bekamen Frühstück und das alles nur für ein freiwilliges Gastgeschenk - das ist Gastfreundschaft!

Aber nicht nur das Preisniveau kam bekannt vor, auch die Straßensprache der Einheimischen war verständlich. Nein, nicht etwa Deutsch, sondern Türkisch wars.

Am nächsten Morgen gings noch auf die Burg und dann per Zug weiter nach Prag. Gute sieben Stunden dauerte dieses Vergnügen - in tschechischen Wagen ohne Klimaanlage eine einzige Freude. Im Gegenzug konnte der mobile Bordservice mit gutem, günstigen Budweiser aufwarten, was einiges wett machte.
Prag

Prag! Die Stadt der Städte: Prag! Zumindest war das so ca. meine Erwartung an diese Stadt, die mir von allen Seiten empfohlen wurde. Das Stadtbild ist auch wirklich schön, vergleichbar mit Budapest. Allerdings, leider touristisch ganz klar übervölkert. Seit Istanbul, seit Sultanahmet habe ich nicht mehr so viele Touris gesehen. Einhergehend natürlich auch erhöhter Touristennepp und potentielle Taschendiebe. Der zentrale Platz beherbergt derzeit ein Public Viewing, auch Rudelgucken genannt! Viel kleiner als in den großen deutschen Städten, aber immerhin! Unglücklicherweise brannte die Sonne so erbarmungslos, dass ich nur die ersten Minuten des Brasilien-Niederlande-Spiels aushielt. Erstaunlicherweise scheint sich die tschechische WM-Euphorie aber noch nicht eingefunden zu haben. Die Kneipen waren fast alle leer, von Stimmung gar nicht zu reden. Nach kurzer Suche konnte dann aber doch noch eine ausreichend große Leinwand gefunden und das Spiel genossen werden. Aber Prag besitzt natürlich noch viel mehr: die Karlsbrücke, einige sehenswerte Kirchen und das jüdische Viertel. Der Eintritt zum jüdischen Museum, Friedhof und den Synagogen ist gepfeffert und aus meiner Sicht durch das Gebotene auch nicht gerechtfertigt. Dennoch ein wichtiger Teil der Geschichte Prags, den man nicht verpassen sollte.
Am späten Abend gings dann zur Karlsbrücke, dem Wahrzeichen Prags. Dort angekommen wurden wir von einer zweifelhaften Type angequatscht, der uns gern das beste Gras aus Afghanistan verkaufen wollte. Nachdem wir ihn auf die Möglichkeit hinwiesen die Polizei zu alarmieren, war er sehr verärgert und düste ab, nicht ohne uns noch den Mittelfinger zum Abschied zu zeigen. Halt mögen die Pragkenner jetzt sagen, fehlt da nicht etwas, was ist mit der Burg? Da muss ich euch leider auf morgen vertrösten.

Heute fand ein abermaliger Tagesausflug statt, diesmal nach Pilsen, der Heimatstadt des PilsenerUrquell. Vom Bahnhof gings dann auch direkt zur Brauerei, wo wir 90 Minuten durch die Anlagen geführt und dann zur Verkostung gebeten wurden. Doch der Höhepunkt des Tages war etwas anderes: der deutsche Sieg gegen Argentinien. Im Brauereirestaurant (dem größten Restaurant in Tschechien) wurde dies vor der Leinwand angemessen gefeiert. Ein paar Pils mussten dabei noch dran glauben. Jetzt nur noch das Halbfinale in Warschau und dann das Finale wieder in Deutschland! Im Anschluss gings noch ins zugegebenermaßen sehr schöne, aber ausgestorbene Zentrum von Pilsen.
Pilsen

Mittwoch, 30. Juni 2010

Reiseupdate - Belgrad bis Bled (Update: Fotos sind da!)

Ich hoffe ihr habt den letzten Eintrag nicht allzu ernst genommen. Natürlich erlebt man auf der Reise immer wieder Neues und ist nur begrenzt aufnahmefähig, doch ganz so schlimm wie dargestellt, ist es dann auch nicht.

Der zweite Tag in Belgrad gehörte den Orten, die nicht jeder Tourist anschaut, die aber sehr schön sind. So z.B. ein Dorf, das einen der ältesten Teile Belgrads ausmacht und am Wasser gelegen eine sehr angenehme, entspannte Atmosphäre bietet. Des Weiteren der Stadtstrand auf einer Insel in der Sava. Doch leider hielt uns ein Wolkenbruch vom Baden ab.


Belgrad Tag 2


In der darauffolgenden Nacht gings abermals per Nachtzug auf den Weg, diesmal in Richtung Zagreb. Zum ersten Mal war dabei das 6-Bett Abteil auch voll belegt, was das Ganze etwas eng machte. Die "Mitschläfer" waren aber angenehm und nette Gesprächspartner. Leider war der Zug pünktlich um kurz nach 5 in Zagreb, so dass die Nacht kurz ausfiel. Einige Stunden später trafen wir dann einen Erasmus-Kommilitonen aus Istanbul zum Frühstück, der sich gerade auf dem Weg von Wien nach Istanbul per Anhalter befindet. In einigen interessanten Stunden erkundeten wir zusammen die Stadt, tranken einige Bier und genossen das westeuropäische Flair. Da die meisten Touristen in Kroatien direkt an die Küste streben, halten sich diese in Zagreb in Grenzen.


Zagreb


Am nächsten Tag entschieden sich Tobias und ich zum Plitvice Nationalpark zu fahren und uns die dortige, beeindruckende Natur anzusehen. Viele Seen, verbunden durch Wasserfälle (der größte immerhin 75m hoch) ergeben eine tolle Atmosphäre. Später zum Deutschlandspiel gings in eines der wenigen Hotels vor Ort und in der Hotelbar wurde dann mit einigen Briten das Spiel verfolgt. Die Rückfahrt nach Zagreb war bis zum letzten Moment ungewiss, da man keine Rückfahrtickets kaufen konnte. Glücklicherweise konnten wir aber einen Bus abpassen und anhalten, so dass wir unproblematisch nach Zagreb zurück kamen.


Plivice Nationalpark


Das schöne, ruhige Zagreb wurde am nächsten Tag gegen das noch kleinere und ruhigere Ljubljana eingetauscht. Die Fahrt, diesmal am Tage, geht landschaftlich reizvoll an der Sava entlang. Mit nur 200.000 Einwohnern ist die Hauptstadt Sloweniens kleiner als Karlsruhe! Dennoch ist die Stadt sehr reizvoll, vor allem die zahlreichen Cafes mit ihren Außenbereichen sorgen für eine lebendige Atmosphäre. Die Sehenswürdigkeiten sind klein in der Zahl, aber sehenswert. Meiner Meinung nach hätte es den Titel "Fahrradhauptstadt Osteuropas" absolut verdient, man fühlt sich schon sehr an Münster erinnert. Den Abend ließen wir in einem Hostel bei einem 5 €-all-you-can-eat Barbecue ausklingen.


Ljubljana


Heute dann entschieden wir uns abermals für einen Tagesausflug - diesmal in den Ort Bled, der mitten in den höchsten Bergen Sloweniens an einem See gelegen, ein absolutes Postkartenmotiv darstellt. Überzeugt euch selbst in den Fotos von der Idylle, die dort herrscht.


Bled

Freitag, 25. Juni 2010

Aktueller Reisezwischenstand

Straffes Programm, keine Zeit für Schlaf, man will ja schließlich was sehen. Nach drei Tagen haben sich die Füße an die Gewaltmärsche gewöhnt und das Gehirn ist genügend abgestumpft um nicht auf jede einzelne Kleinigkeit zu reagieren, kann sich ja eh kein Mensch alles merken. Hauptsache auf dem Stadtplan die Ziele in den vorher getakteten 5-Minuten-Zeitplan-Abschnitten abhaken. Wichtig ist das vorherige Auswendiglernen des Reiseführers, damit keine Zeit mit Nachlesen verschwendet werden muss. Der Stadtplan sollte einen Rundkurs zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten enthalten und dabei alle 5 Stunden eine Essensgelegenheit ausweisen. Des Weiteren sind im gut sortierten Rucksack alle wichtigen Dinge wie Schirm und Kamera griffbereit an den platzoptimierten Stellen deponiert.

Dieser Blog wurde zeitsparend während des Stadtrundgangs per Spracherkennungs-Software diktiert.

Donnerstag, 24. Juni 2010

die Rückreise

Wie bereits im Dezember, so sind Tobias und ich derzeit abermals mit dem Zug von der Türkei nach Deutschland unterwegs. Die aktuelle Route wird durch die blauen, die Dezember-Route durch die roten Pfeile dargestellt:
Interrail
Landkarte von StepMapStepMapInterrail

Los gings Montagabend (nach einigen Schwierigkeiten wichtige Dokumente, deren Fertigstellen versprochen worden war, an der Uni abzuholen) per Bus ab Istanbul, da die Bahnstrecke von Istanbul nach Europa nach einem Tunneleinsturz auf unbestimmte Zeit gesperrt ist. Im Doppeldeckerbus gehörten uns die vordersten Plätze im oberen Bereich: bester Blick und recht gute Beinfreiheit. Ausstattungsmäßig wurde mit freiem Internet und Bildschirmen an jedem Platz so einiges geboten. Leider gab es einige sehr redefreudige Leute im Bus und andere, die sich andauernd irgendwelche Wecker gestellt hatten, so dass der Schlaf etwas auf der Strecke blieb.
An der Grenze habe ich dann das erste Mal eine absolute Ungleichbehandlung und Schikane erfahren. Dies sowohl auf türkischer als auch griechischer Seite, aber jeweils gegen alle "Nicht-Türken" gerichtet. Das Gepäck musste jeweils ausgepackt und inspiziert werden, was insgesamt sicherlich 90 Minuten gekostet hat. Fragt mich bitte nicht, wieso gerade auf griechischer Seite auch alle Griechen und sonstige Ausländer, nicht aber die Türken, kontrolliert wurden.

Wundern musste ich mich auch über die Plastiktüte mit ungewissem Inhalt, die der Busbegleiter dem Grenzbeamten zugesteckt hat... Möglicherweise Abfall oder wichtige Unterlagen, wer weiß...

Morgens kamen wir dann in Thessaloniki an, wo wir glücklicherweise unser Zimmer beziehen konnten und den Schweiß des letzten Tages und der letzten Nacht wegduschen konnten. Thessaloniki so weit ganz nett, allerdings spannend, dass man mit Deutsch besser verstanden wird als mit Englisch. Wichtiges Highlight war natürlich das Geburtshaus von Atatürk, das sich auf dem Gelände des türkischen Konsulats und dementsprechend gut bewacht ist. Mit türkisch kommt allerdings gut zurecht, wenngleich trotzdem erstmal der Pass überprüft wird.


Thessaloniki


Auf der Weiterfahrt von Thessaloniki nach Skopje ging bis zur Grenze alles gut, dann die Info: "Streik". Zwei Stunden lang ging nix. Dank des guten alten deutschen IC-Wagenmaterials, wo man in den Abteilen die Sitze zur Liegefläche umwandeln kann, wurden daraus zwei schlafreiche Stunden.

In Skopje haben wir leider schlechtes Wetter erwischt, was den gesamten Aufenthalt etwas trist werden ließ. Der Bahnhof ist zudem ein Highlight der jugoslawischen Baukunst der 60er Jahre und wohl auch seitdem nicht mehr geputzt worden. Bei der Ankunft fühlte ich mich schon ans Ende der Welt versetzt. Am Interessantesten ist das türkisch-albanische Viertel, in dem wir ein türkisches Kaffeehaus aufgesucht und nach kurzem türkischen Gespräch zu Kaffee und Tee eingeladen wurden: ein weiterer Beweis türkischer Gastfreundlichkeit. Insgesamt sind im Mazedonischen recht viele türkische Wörter enthalten, was zu unserer Erheiterung beitrug. Das Stadtbild Skopjes wird jedoch recht stark von aktuellen Baumaßnahmen, sowie Bausünden aus den 60er und 70er Jahren bestimmt, Ausnahmen sind das oben erwähnte albanische und das Kneipenviertel :)


Skopje


Mit dem Nachtzug sollte es weiter nach Belgrad gehen, doch hat wohl wieder der griechische Streik dafür gesorgt, dass der Zug mit erst 90 minütiger Verspätung nach Skopje kam. Unerwarteterweise wurde aus dem gebuchten 6-Bett-Abteil ein Abteil für Tobias und mich allein. Mittlerweile ist auch die Erkältung besser, so dass zumindest die Stimme zurückgekehrt und der Schnupfen, sowie Husten nachgelassen haben.
Belgrad erreichten wir mit einer Verspätung von etwas mehr als zwei Stunden, wobei allein die letzten 20 km wohl 45 Minuten gekostet haben.

Belgrad ist eine schöne Stadt mit großen Gegensätzen zwischen osmanischen, jugoslawischen und modernen Einflüssen. Innerhalb des ersten Tages haben wir die Hauptsehenswürdigkeiten (u.A. die größte orthodoxe Kirche der Welt, die Festung...) gesehen. Zudem haben wir ein deutsches Ehepaar getroffen, das per Auto auf dem Weg nach Indien ist, aber gerade mit einem Zylinderkopfschaden liegengeblieben ist. Unser Hostel ist klein, nett, familiär und ziemlich leer. Auch hier ist der türkische Einfluss noch zu spüren, der sich vor allem im Essen niederschlägt. Börek, Kaymak und vieles anderes kennen wir bereits aus der Türkei. Interessant zu beobachten ist die Tatsache, dass bei fast allen Botschaften die zur Straße hinausgehenden Fenster zugemauert/verbarrikadiert sind - eine Folge des Krieges? Die Folgen des NATO-Angriffs in den 90ern kann man nur noch an wenigen Stellen entdecken. Morgen werden wir noch ein paar Außenbezirke Belgrads unsicher machen, bevor es abermals per Nachtzug nach Zagreb weitergeht, wo wir einen unserer Easmus-Kommilitonen aus Istanbul treffen werden.


Belgrad


Bisheriger Eindruck: Skopje hat mich nicht vom Hocker gehauen, aber die Landschaft in Mazedonien war sehr schön! Die Küste zwischen griechisch-türkischer Grenze und Thessaloniki war ebenfalls landschaftlich eindrucksvoll, Thessaloniki spannend, aber für einen Tag ausreichend. Belgrad hingegen bietet vor allem spannende Kontraste und eine tolle Innenstadt.

Dienstag, 22. Juni 2010

Abschiedsparty, Festival

Es geht dem Ende zu... es heißt es Abschied nehmen von Istanbul...

Doch zuvor noch ein kurzer Lagebericht und eine knappe Zusammenfassung der letzten Tage seit der Rückkehr aus Trabzon.

Freitag hat Tobias und meine Abschiedsparty stattgefunden, die wir passenderweise mit dem Deutschlandspiel verbunden haben. Anschließend ging es ans Wasser, dann nochmals in eine Bar in Taksim und schlussendlich zum Tanzen ins Araf. Richtig schön nochmal viele der netten Menschen zu sehen, die ich in den letzten 10 Monaten kennengelernt habe. Da wird man schon ein wenig wehmütig.

Abschiedsparty

Samstag und Sonntag fand das Festival "Efes One Love" statt mit Bands wie "The Whitest Boy Alive", "The Ting Tings", "Groove Armada", "Wild Beasts" und "Sophie Ellis Bextor", um mal die bekanntesten zu nennen.

Efes One Love Festival

Zudem habe ich noch fleißig an meinem take-home-exam geschrieben, das ich gerade eben abgegeben habe.

Leider habe ich mir, vermutlich durch Klimaanlagen und Luftzug, eine Erkältung zugezogen und konnte am Wochenende nicht sprechen, mittlerweile geht es aber wieder aufwärts.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Trabzon

Berühmt für Fisch, vor allem Hamsi (Sardellen), den Hafen und natürlich den typischen Trabzon-Nasen :)

Montag Nachmittag gings los, mit dem Flugzeug ist man bequem in 1,5 Stunden dort. Der Flughafen liegt schön direkt am Meer. Bei 30 Grad und drückender Schwüle gings auf Zimmersuche: immer schön rauf in den dritten oder vierten Stock und dann wieder raus - da kommt Freude auf. Den Abend haben wir dann bei Bier und Fußball ausklingen lassen.

Zweiter Tag: Das berühmte Kloser Sumela auf 1300 m Höhe in der Nähe von Trabzon ist ein Muss. Wunderschön gelegen und mit einem tollen Ausblick wird man für das Hinauflaufen belohnt. Dabei haben wir einen netten Kanadier kennengelernt, mit dem wir im Anschluss noch die Hauptsehenwürdigkeit Trabzons - die Hagia Sophia (wie in Istanbul eine ehemalige Kirche) angesehen haben. Der Abend gehörte wieder dem Fußball und nach einigem Suchen haben wir tatsächlich eine Kneipe gefunden! :)

Die abenteuerlichste Tag folgte darauf: ein Tagesausflug nach Batumi in Georgien. Allein der Busticketkauf war ein Erlebnis. Ich weiß nicht, ob es an den Verständigungsschwierigkeiten liegt oder ob die Busunternehmen ein Interesse daran haben Leute hereinzulegen. Jedenfalls haben wir uns genau nach Hin- und Rückfahrten erkundigt, konnten dann aber plötzlich kein Rückfahrticket mehr kaufen. Alle weigerten sich ausschließlich die Rückfahrt anzubieten. Seltsam...

Es ging dann um halb sieben mit einem Minibus los (recht eng und unbequem), unterwegs fing es irgendwann an zu gewittern (wir waren in T-Shirt und kurzer Hose unterwegs) und schließlich blieben wir kurz vor der Grenze in einem Tunnel liegen. Später sollte sich herausstellen, dass Spritmangel der Grund war. Das automatische Alarmsystem des Tunnels (sehr fortschrittlich) sprang sofort an und forderte über Lautsprecher zum Verlassen des Tunnels auf (jedenfalls nehme ich das an). Der Bus wurde dann kurzerhand aus dem Tunnel geschoben und einer der Busfahrer ließ sich per Anhalter zur nächsten Tankstelle mitnehmen. Eine halbe Stunde später konnte es weiter gehen.
Das nächste Problem ergab sich an der Grenze: Ich bin beim letzten mal per Personalausweis in die Türkei eingereist und hatte aus diesem Grund den Stempel-Zettel. Mit diesem ließ man mich aber nicht ausreisen (warum auch immer). Zunächst hieß es, ich dürfte nicht ausreisen, schlussendlich wurde aber einfach der Ausreisestempel in meinen Reisepass gestempelt. Dies hat mich dann aber beunruhigt, da ich damit einen Ausreisestempel ohne passenden Einreisestempel in meinem Pass hatte. Naja, konnte ich eh nicht mehr ändern. Wir sind dann relativ zügig durch die georgischen Kontrollen gekommen, was man von unserem Bus nicht sagen kann. Über zwei Stunden mussten wir auf ihn warten (bzw. dachten wir das, wir hätten wohl auch einfach einen anderen Bus bzw Dolmus nehmen können).

Am Busbahnhof wollten wir dann unser Rückfahrticket organisieren, was aber überhaupt nicht geklappt hat, da die Busse entweder viel zu früh/spät fuhren oder ausgebucht waren oder nicht existierten. Der Stadtteil um den Busbahnhof war auch schon sehr Indien-like. Wir haben uns dann zu einem Restaurant aus dem Lonely Planet aufgemacht und sind an die schöne Strandpromenade gekommen. Mit wir meine ich in diesem Fall Tobias, mich und einen 18jährigen Iraner, der seit drei Jahren in der Türkei lebt und mal wieder sein Visum erneuern musste.

Fragt mich nicht warum, aber die Straßen im Zentrum sind alles nur Schotterpisten/Baustellen/frisch aufgerissen worden.

Die Stadt Batumi ist ganz nett, im Zentrum sehr reich und gepflegt, in den Randgebieten eher das Gegenteil.

Nun zur Rückfahrt: Wir haben dann gegen Abend einen Dolmus zur Grenze genommen, was auch recht fix ging. Dann kam der beunruhigende Moment mit meinem Pass, aber es ging alles gut. Der Grenzbeamte hat sich zwar mein türkisches Visum (das mittlerweile abgelaufen ist) sehr genau angesehen, aber letztendlich den Stempel reingeknallt. Hätte er meine Stempel gezählt und gesehen, dass ich einmal zu viel ausgereist bin, hätte das bestimmt wieder endlose Diskussionen nach sich gezogen. Jetzt ist aber alles wieder ausgeglichen und ich werde nach Griechenland mit dem Personalausweis ausreisen. Von der türkischen Seite der Grenze gings per Taxi-Dolmus weiter in den nächsten Ort und dann per Bus zurück. Die Busfahrer haben uns natürlich mal wieder krass angelogen (diesmal 100%ig kein sprachliches Kommunikationsproblem) was die Fahrzeit betrifft, die im Endeffekt bei knapp vier statt zwei Stunden lag.

Trotzdem in allem ein sehr interessanter Tagesausflug. Ich weiß nun wo all die deutschen Altautos gelandet sind, die nicht der Abwrackprämie zum Opfer gefallen sind :) In Batumi fahren nicht nur Blumengroßhändler-, sondern auch Gabelstapler-Verleiher oder Klempnerbullis herum. Alle noch mit den deutschen Werbeschriftzügen beklebt. Ein weniger schönes Beispiel war der Schalke-Aufkleber am Heck eines alten Nissan Micra.

Heute war dann nochmal Trabzon angesagt. So fuhren wir zunächst zum Atatürk Köskü, einer Villa, die Atatürk mal gehört hat und nun Museum ist. Anschließend ging es weiter zu einem Teegarten, in den Bergen gelegen und mit tollem Ausblick über Trabzon. Hier habe ich mal wieder die Gastfreundschaft der Türken erlebt, da wir zum Mittagessen der Kellner eingeladen oder besser genötigt wurden :) Sehr lecker.

Jetzt sitze ich im Flugzeug nach Istanbul, von wo aus es in vier Tagen schon in Richtung Deutschland gehen wird.


Trabzon, Batumi

Montag, 7. Juni 2010

Amasra & Safranbolu

Das Premierenwochenende: Erstmals in der Türkei Auto gefahren, erstmals auf der Autobahn rechts überholt (mehrfach), erstmals mit dem Auto-Unterboden aufgesetzt (gleich dreimal) und erstmalig wurde mein Fahrstil mit dem der Istanbuler Taxifahrer verglichen. Aber keine Chance, man muss sich dem Fahrstil der anderen ja anpassen :)

Mit dem Mietwagen ging es 500 km in nord-westliche Richtung ins kleine Städtchen Safranbolu. Seit 1994 Weltkulturerbestadt dank der gut erhaltenen osmanischen Häuser. Allerdings touristisch auch sehr bekannt und aus diesem Grund von Andenkenläden geprägt und Busreisegruppen bevölkert. Dennoch haben wir dort schöne drei Stunden verbracht und uns durch die Stadt treiben lassen.
Von dort aus sind wir ans schwarze Meer gefahren (teilweise über Schotterpisten) und haben dort direkt den Strand aufgesucht - herrlich nach der langen Fahrt. Amasra ist laut Reiseführer die schönste Stadt am Schwarzen Meer, was ich aufgrund mangelnder Erfahrung auch nicht abstreiten kann. Zwei schöne Buchten, eine alte Zitadelle und die Steilküste drumherum haben schon ihren Reiz.
Abends waren wir Fisch essen, am nächsten Morgen nochmals am Strand frühstücken und dann ging es auch schon wieder zurück.
 

Safranbolu, Amasra auf einer größeren Karte anzeigen


Safranbolu, Amasra

Sonnenuntergang in Kadiköy/Moda



Freitag, 28. Mai 2010

Der Stadtstrand von Istanbul...

...befindet sich in Şile, etwa 70 km außerhalb von Istanbul am schwarzen Meer. Mit dem Bus ist man in zwei Stunden dort und kann sich von der Hektik Istanbuls erholen. Gestern war auch nicht viel los und man konnte sich die Massen, die sich dort am Wochenende Handtuch an Handtuch liegen nur schwer vorstellen. Das Wasser war herrlich klar, wenngleich ein wenig kalt. Die Außentemperatur mit annähernd 30 Grad hat es aber sehr erträglich gemacht. Als nächstes muss ich das Pendant in Europa - Kilyos - noch testen.

Şile

klassisches Konzert in der Hagia Irene

Der Kirchenbau der Hagia Irene liegt im Schatten der großen Schwester der Hagia Sophia. Im Gegensatz zu dieser wurde sie aber nie in eine Moschee umgewandelt, sondern überlebte als Kirchenbau innerhalb der Mauern des Topkapı-Palastes. Nur zu besonderen Gelegenheiten kommt man in den Genuss einen Blick ins Innere zu werfen. Mittwoch war dieser Moment gekommen: Der Unichor der Boğazici-Universität bot eine starke Performance. Dabei kam der gute Klang der Kirche voll zur Geltung.

Hagia Irene - Konzert

Montag, 24. Mai 2010

arabischer Abend

Gestern abend war ich im Nobelviertel Nisantasi arabisch essen. Aber nicht in einem der schicken Restaurants, sondern privat bei einem kroatischen Kollegen aus dem Sprachkurs, den ich ganz zu Beginn meines Aufenthaltes, also vor sieben Monaten, kennengelernt habe.

Einer seiner Mitbewohner ist Araber und hat mit einigen arabischen Freunden ein tolles Essen gezaubert.
Anwesend waren zudem ein Englisch-Ägyper, eine Israelisch-Holländerin, eine Russisch-Kanadierin, Tobias und seine türkische Mitbewohnerin Nilüfer. Zusammen mit allen doppelten Staatbürgerschaften mindestens elf Nationen bei neun anwesenden Personen: das nenne ich interkulturell! Es gab dabei ein herrliches Sprachgemisch in Arabisch, Türkisch und Englisch :)

Traditionsgemäß haben wir das Essen auf dem Teppich eingenommen und statt Besteck die Hände genutzt.

Montag, 17. Mai 2010

Das Bange Zittern...und die Niederlage

Update: Zwei deutsche Zeitungsartikel zum besseren Verständnis der Situation nach dem Meisterschaftsendspiel.

Daums böses Erwachen am Bosporus (ARD Sportschau)
Falschmeldung kostet Daum den Meistertitel (Welt Online)


Die Meisterschaft der Türkei war bis zur letzten Sekunde spannend. Kein Vergleich zum langweiligen deutschen Titelrennen. Zunächst läuft alles super, Fener führt gegen Trabzonspor und ist auf dem Weg zur Meisterschaft. Doch dann gleicht Trabzon aus und Bursa führt auch noch gegen Besiktas. Vergeblich rennt Fenerbahce gegen das Trabzonspor-Tor an. In den letzten Sekunden der Nachspielzeit gibt es Hoffnung: Es wird von dem Ausgleich durch Besiktas gemunkelt, dadurch wäre Fener Meister. Der Jubel beginnt. Doch dann die Gewissheit auf dem Bildschirm: Bursa gewinnt doch und wird Meister. Enttäuschung... Der Frust wird mit Jägermeister und Raki bekämpft.

Der Wechsel der Gefühle hier im Überblick:

Dardanellen und Ägäis

Man nehme ein Mietauto, einen Türken und zwei deutsche Erasmusstudenten, schicke diese um 06:30 in Richtung Thrakien und beobachte die Entwicklung.

Zunächst Tekirdag, die Raki-Hauptstadt der Türkei am Marmarameer. Sonst auch nicht weiter erwähnenswert. Anschließend geht es weiter nach Eceabat auf der Gallipoli-Halbinsel. Auf dieser Halbinsel gelang im ersten Weltkrieg der Sieg gegen die Alliierten, der die Spaltung des osmanischen Reichen verhinderte und den Grundstein für die spätere Republikgründung bereitete.

Heutzutage erinnern große Denkmäler und Friedhöfe an die zahlreichen Toten auf beiden Seiten. Besonders Australier und Neuseeländer sind oft gesehene Gäste, da deren Armeen zwangsweise unter britischem Kommando stehend auf alliierter Seite kämpften.

Beeindruckend ist das große Denkmal an der Südspitze, welches den getöteten türkischen Soldaten gewidmet ist.

Mit der Fähre erreicht man die asiatische Küste, wo die Universitätsstadt Canakkale liegt. Dementsprechend junges Publikum prägt die schöne historische Innenstadt. Eine große Befestigungsanlage diente der Verteidigung des Marmarameeres.

Die übermüdeten Urlauber landen schon vor 11 Uhr in den Betten.

Am nächsten Tag ein *Ironie ein* Highlight *Ironie aus* der Reise: Troja. Schliemanns grandiose Entdeckung ist keinen Besuch wert, die meisten Funde sowieso in deutschen Museen. Ein Foto mit dem nachgebauten trojanischen Pferd ist jedoch Pflicht.

Weiter geht es nach Bozcaada, eine der beiden türkischen Inseln in der Ägäis. Nur ca 50 km von der nächsten griechischen Insel entfernt, befindet sich das größte Weinanbaugebiet der Türkei, sowie unverbaute Strände und ein malerisches, ehemals griechisches Fischerdörfchen. Vom Massentourismus verschont, baden wir im herrlich klaren Wasser und genießen den Ausblick übers Meer.

Wie gern würde man noch ein paar Tage länger bleiben, doch die Zeit ist knapp. Der Regen sorgt für einen schnellen Aufbruch und zum nächsten Ziel: Assos. Über kleine Küstenstraßen (Kategorie: für LKW ungeeignet) geht es durch unvermüllte! Natur zum kleinen Fischerdorf. Direkt gegenüber liegt Lesbos, das Handy findet griechisches Netz und begrüßt uns in der EU. Mete löst auch schwierigste Straßen(?)verhältnisse souverän. Den Abend verbringen wir mit Bier am Wasser. Auch hier lässt es sich aushalten, wenngleich außer Meer und Natur nicht viel vorhanden ist. Keine Apotheke, kein Bankautomat, kein Supermarkt...nichts.

Am letzten Tag geht es auf den Berg bei Assos, der Blick auf das Meer und Lesbos ist grandios. Das Wetter auch, so dass die türkischen Touristen in Scharen herbeiströmen. Selbst alte Mütterchen stampfen langsam den Berg hinauf.

Mittags geht es dann den langen Weg nach Istanbul zurück.


Ägäis-Urlaub

Montag, 10. Mai 2010

neue, alte Stadt?

Eskisehir - dem Namen nach "alte Stadt" ist in Wirklichkeit eine recht junge Universitätsstadt, die bei 500.000 Einwohnern immerhin 50.000 Studenten besitzt. Zwischen Istanbul und Ankara gelegen, gehört sie zu den Eisenbahnknotenpunkten.


Größere Kartenansicht

Die Stadt erinnert dank ihrer gepflasterten und grünen Innenstadt an deutsche Kleinstädte. Bekannt ist sie vor allem für den Meerschaumabbau, zu dessen Anlass man sogar ein Museum eingerichtet hat. Außer diesem und einem schön renovierten Altstadtteil gibt es nicht viel mehr zu sehen. Die Atmosphäre ist jedoch schön, der Unicampus auch und so haben wir dort einen schönen Tag verbracht.

Der Transport war abermals etwas schwierig, da alle für die Rückfahrt infrage kommenden Züge ausgebucht waren. Aus diesem Grund musste der Bus dranglauben, der sich im Schnecktempo über Serpentinenstraßen gearbeitet hat und aus diesem Grund zwei Stunden langsamer als der Zug war.
Eskisehir

Samstag, 8. Mai 2010

Hamam oder auch: Knochenbrecher an der Arbeit

Nach dem anstregenden Palastbesuch wollte ich mir etwas Entspannung gönnen und das erste Mal ein türkisches Hamam aufsuchen.

Also rein ins von Mimar Sinan im 17 Jahrhundert gebaute Gebäude. Badelatschen an- und den Rest der Kleidung ausziehen. Dann den Lendenschurz (Küchentuch) anlegen und ab unter die Dusche.

Anschließend geht es in den eigentlichen Hamambereich, den man sich so vorstellen kann (Bild vom Cagaloglu Hamam in Istanbul):


In diesem Hamam gibt sogar eine Sauna, in der ich auf den Masseur warte. Der kommt, nimmt mich mit und wäscht mich zum ersten Mal in meinem Leben richtig. Es ist schon ein sonderbares Gefühl die eigenen Hautschuppen im Abfluss verschwinden zu sehen. Unglaublich, was sich da für ein Dreck über die Jahre angesammelt hat :)

Hiernach folgt die "Massage". Erster Tipp: Muskeln während des Massierens nicht anspannen. Problem: Leichter gesagt als getan. Zweiter Tipp: Böses Lachen den Bademeisters ignorieren. Problem: Leichter gesagt als getan.

Die Massage dient wohl ausschließlich zum Testen der Beweglichkeit des Badegastes (Arm hoch, Arm runter, Arme verschränken. Gesamtes Gewicht des Bademeisters auf den verschränkten Armen. Klatsch. Mit der flachen Hand auf den Oberschenkel gehauen. Klatsch, gleich nochmal. Klatsch, auch auf den Rücken. Beine verschränken, selbe Prozedur...) und zum Einrenken aller im Körper befindlichen Muskeln.

Der gepeinigte Gast wird nun noch gewaschen. Empfehlung des Bademeisters: "Augen zulassen!". Eine recht angenehme Kopfmassage wird durch abermaliges Hin- und Her-zerren der Arme und Beine unterbrochen. Der Schaum beißt in den Augen. Der Schaum bedeckt Nase und Mund und macht das Atmen schwer. Doch zack, kommt schon der Schwall kaltes Wasser und wäscht den Schaum wieder ab. Jetzt fühle ich mich gleich fünf Jahre älter.

Der Bademeister gibt mir die Hand und gibt mir zu verstehen ich solle meinen Lendenschurz wechseln. Doch ich denke nicht daran jetzt schon wieder zu gehen. Nein, so schnell bin ich nicht kleinzukriegen. Also nochmal rein in den Baderaum und auf die heiße, runde Liegefläche. Anschließend nochmal in die Sauna und dann nach einer Dusche zurück in meine Kabine. Dort werde ich fachgerecht in Handtücher gewickelt und lege mich auf die Liege. Nun heißt es entspannen:


Ich denke ich werde wiederkommen...bald.

Sommerresidenz

Bei dem warmen Sommerwetter muss man sich langsam mal nach einer Sommerresidenz umschauen.
Meine gestrige Wahl fiel auf den Beylerbeyi-Palast am asiatischen Bosporus-Ufer, den ich für sehr gelungen halte. Schon Sultan Abdülaziz nutzte den Palast für warmen Sommermonate. Sicherlich müsste man die technische Infrastruktur noch etwas nachrüsten, doch ansonsten ist er schon recht gut möbliert. Mit seinen 28 Zimmern wäre er mir in der Größe sehr angenehm.
Einziges Problem ist der noch fehlende Harem. Da muss ich mir noch was einfallen lassen...

Donnerstag, 6. Mai 2010

Gypsy-Hıdrellez-Festival

In Istanbul herrscht Sommer. Seit gestern auch offiziell dank des Hıdrellez-Tages, der den Sommeranfang markiert. An diesem Tag sollen sich die Propheten Hızır und İlyas auf der Erde getroffen haben. Detaillierte Informationen zum Feiertag kann der interessierte Leser hier nachschauen.
Unter Anderem kann man sich an diesem Tag etwas wünschen und darauf hoffen, dass es in Erfüllung geht.

Gestern fand zu dem Anlass ein Gypsy (ist Zigeuner politisch korrekt?) Festival statt. Über 100.000 Leute genossen türkische Musik gepaart mit Balkanliedern. Zudem gabs viel zu Essen und noch mehr zu Trinken (aber im Wesentlichen Bier).

Insgesamt ein großes Spektakel, das sich wirklich gelohnt hat!