Donnerstag, 24. Juni 2010

die Rückreise

Wie bereits im Dezember, so sind Tobias und ich derzeit abermals mit dem Zug von der Türkei nach Deutschland unterwegs. Die aktuelle Route wird durch die blauen, die Dezember-Route durch die roten Pfeile dargestellt:
Interrail
Landkarte von StepMapStepMapInterrail

Los gings Montagabend (nach einigen Schwierigkeiten wichtige Dokumente, deren Fertigstellen versprochen worden war, an der Uni abzuholen) per Bus ab Istanbul, da die Bahnstrecke von Istanbul nach Europa nach einem Tunneleinsturz auf unbestimmte Zeit gesperrt ist. Im Doppeldeckerbus gehörten uns die vordersten Plätze im oberen Bereich: bester Blick und recht gute Beinfreiheit. Ausstattungsmäßig wurde mit freiem Internet und Bildschirmen an jedem Platz so einiges geboten. Leider gab es einige sehr redefreudige Leute im Bus und andere, die sich andauernd irgendwelche Wecker gestellt hatten, so dass der Schlaf etwas auf der Strecke blieb.
An der Grenze habe ich dann das erste Mal eine absolute Ungleichbehandlung und Schikane erfahren. Dies sowohl auf türkischer als auch griechischer Seite, aber jeweils gegen alle "Nicht-Türken" gerichtet. Das Gepäck musste jeweils ausgepackt und inspiziert werden, was insgesamt sicherlich 90 Minuten gekostet hat. Fragt mich bitte nicht, wieso gerade auf griechischer Seite auch alle Griechen und sonstige Ausländer, nicht aber die Türken, kontrolliert wurden.

Wundern musste ich mich auch über die Plastiktüte mit ungewissem Inhalt, die der Busbegleiter dem Grenzbeamten zugesteckt hat... Möglicherweise Abfall oder wichtige Unterlagen, wer weiß...

Morgens kamen wir dann in Thessaloniki an, wo wir glücklicherweise unser Zimmer beziehen konnten und den Schweiß des letzten Tages und der letzten Nacht wegduschen konnten. Thessaloniki so weit ganz nett, allerdings spannend, dass man mit Deutsch besser verstanden wird als mit Englisch. Wichtiges Highlight war natürlich das Geburtshaus von Atatürk, das sich auf dem Gelände des türkischen Konsulats und dementsprechend gut bewacht ist. Mit türkisch kommt allerdings gut zurecht, wenngleich trotzdem erstmal der Pass überprüft wird.


Thessaloniki


Auf der Weiterfahrt von Thessaloniki nach Skopje ging bis zur Grenze alles gut, dann die Info: "Streik". Zwei Stunden lang ging nix. Dank des guten alten deutschen IC-Wagenmaterials, wo man in den Abteilen die Sitze zur Liegefläche umwandeln kann, wurden daraus zwei schlafreiche Stunden.

In Skopje haben wir leider schlechtes Wetter erwischt, was den gesamten Aufenthalt etwas trist werden ließ. Der Bahnhof ist zudem ein Highlight der jugoslawischen Baukunst der 60er Jahre und wohl auch seitdem nicht mehr geputzt worden. Bei der Ankunft fühlte ich mich schon ans Ende der Welt versetzt. Am Interessantesten ist das türkisch-albanische Viertel, in dem wir ein türkisches Kaffeehaus aufgesucht und nach kurzem türkischen Gespräch zu Kaffee und Tee eingeladen wurden: ein weiterer Beweis türkischer Gastfreundlichkeit. Insgesamt sind im Mazedonischen recht viele türkische Wörter enthalten, was zu unserer Erheiterung beitrug. Das Stadtbild Skopjes wird jedoch recht stark von aktuellen Baumaßnahmen, sowie Bausünden aus den 60er und 70er Jahren bestimmt, Ausnahmen sind das oben erwähnte albanische und das Kneipenviertel :)


Skopje


Mit dem Nachtzug sollte es weiter nach Belgrad gehen, doch hat wohl wieder der griechische Streik dafür gesorgt, dass der Zug mit erst 90 minütiger Verspätung nach Skopje kam. Unerwarteterweise wurde aus dem gebuchten 6-Bett-Abteil ein Abteil für Tobias und mich allein. Mittlerweile ist auch die Erkältung besser, so dass zumindest die Stimme zurückgekehrt und der Schnupfen, sowie Husten nachgelassen haben.
Belgrad erreichten wir mit einer Verspätung von etwas mehr als zwei Stunden, wobei allein die letzten 20 km wohl 45 Minuten gekostet haben.

Belgrad ist eine schöne Stadt mit großen Gegensätzen zwischen osmanischen, jugoslawischen und modernen Einflüssen. Innerhalb des ersten Tages haben wir die Hauptsehenswürdigkeiten (u.A. die größte orthodoxe Kirche der Welt, die Festung...) gesehen. Zudem haben wir ein deutsches Ehepaar getroffen, das per Auto auf dem Weg nach Indien ist, aber gerade mit einem Zylinderkopfschaden liegengeblieben ist. Unser Hostel ist klein, nett, familiär und ziemlich leer. Auch hier ist der türkische Einfluss noch zu spüren, der sich vor allem im Essen niederschlägt. Börek, Kaymak und vieles anderes kennen wir bereits aus der Türkei. Interessant zu beobachten ist die Tatsache, dass bei fast allen Botschaften die zur Straße hinausgehenden Fenster zugemauert/verbarrikadiert sind - eine Folge des Krieges? Die Folgen des NATO-Angriffs in den 90ern kann man nur noch an wenigen Stellen entdecken. Morgen werden wir noch ein paar Außenbezirke Belgrads unsicher machen, bevor es abermals per Nachtzug nach Zagreb weitergeht, wo wir einen unserer Easmus-Kommilitonen aus Istanbul treffen werden.


Belgrad


Bisheriger Eindruck: Skopje hat mich nicht vom Hocker gehauen, aber die Landschaft in Mazedonien war sehr schön! Die Küste zwischen griechisch-türkischer Grenze und Thessaloniki war ebenfalls landschaftlich eindrucksvoll, Thessaloniki spannend, aber für einen Tag ausreichend. Belgrad hingegen bietet vor allem spannende Kontraste und eine tolle Innenstadt.

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