Noch einige Nachträge zu Sofia, bevor ich über das nächste Reiseziel Bukarest berichte.
Ein Überbleibsel aus der sowjetischen Zeit sind Kiosks, deren Verkaufsfenster sich auf Knöchelhöhe befinden, man sich also zum Einkaufen erheblich bücken muss. Verkauft wird dort immer auch sehr günstiger Wodka, teilweise ist die Flasche ab 3 Euro erhältlich.
Die Stadt ist zugepflastert mit McDonalds, es gibt Stellen, wo sich um Umkreis von 200m drei verschiedene befinden. Ebenfalls auffällig ist die hohe Anzahl von deutschen Mercedes S-Klassen z.B. aus Bottrop oder Göttingen.
Außerhalb des engen Innenstadtrings gibt es auch in Sofia viele Bettenburgen sowjetischer Bauart, wie ich bei einem kurzen Abstecher in die Sofia Mall feststellen konnte.
Das Hostel hatte echt einen klasse Service: abends gibt es jeden Abend für jeden ein Bier und Pasta umsonst. Zudem immer wertvolle Tipps und Erklärungen. Nicht vergessen sollte man beispielsweise in der Tram ein Ticket für das Gepäck zu kaufen. Leider war ich zu dem Zeitpunkt noch viel zu krank um das geniale Abendessen wahrnehmen zu wollen. Mittlerweile bin ich aber über den Berg, konnte heute das erste Bier der Fahrt genießen und fühle mich voller Tatendrang.
Da man in Sofia ja so unerwartet schnell mit der Stadtbesichtigung fertig war und ich keine Lust auf eines der Museen hatte, habe ich mir glatt mal wieder die erste Halbzeit der Bundesliga-Konferenz angesehen.
Von Sofia ging es dann abends im Nachtzug weiter, diesmal ohne Kohlen, aber mit doch guter Heizung. Die Schlafwagenbegleiterin war diesmal weiblich, stank nicht nach Alkohol, sprach aber auch kaum Englisch. Sehr ärgerlich war aber, dass das Bett irgendetwas zwischen 185 und 190 cm in der Länge misst und man da als 195 cm große Person nicht besonders bequem schläft.
Zum Glück wurde ich zur Passkontrolle geweckt und konnte so die Überquerung der Donau bewundern, die an der Stelle echt breit ist. Die umgebende Landschaft war verschneit, was das Ganze noch eindrucksvoller machte. Leider hat sich die gewünschte Verspätung nicht eingestellt, so dass der Zug tatsächlich schon um 6 Uhr Bukarest erreichte. Zwei Stunden habe ich im McDonalds verbracht und mich in den Stadtführer eingelesen. Danach ging es mit einigen Umwegen zum Hotel, das unmittelbar neben dem Bahnhof liegt.
Bukarest ist erheblich mehr durch die Zeit des eisernen Vorhangs und der Diktatur unter Ceausescu geprägt als Sofia. Er hat in den 80ern ein komplettes Stadtviertel niederreißen lassen um das Casa Poporului zu bauen, das zweitgrößte Gebäude der Welt hinter dem Pentagon.
Ziemlich größenwahnsinnig das Ganze. Heute beherbergt es Parlament und Senat. In einer Führung habe ich einen Einblick in das prunkvolle Innere werfen können - allein die Stromrechnung soll pro Monat 300.000 € betragen. Im Inneren sind jede Menge Marmor, Mahagoni und Kristall verbaut worden.
Weiter gings über den Nachbau der Champs-Elysees (nur etwas breiter und länger), mit jeder Menge Springbrunnen in der Mitte bis zum zentralen Platz Piata Unirii, wo ich auf dem Weihnachtsmarkt Würstchen gegessen habe und nebenan im sowjetisch anmutenden Einkaufscenter gestöbert habe. Der kleine historische Stadtteil, der Ceausescus stadtplanerische Phase überlebt hat, ist wirklich nett anzusehen und beinhaltet viele sehenswerte kleine Kirchen.
Zudem ist die Uni nicht fern und von dort aus der Platz der Revolution. Einige wenige Einschusslöcher sind noch zu finden, ebenso einige Plattenbauten, es dominieren jedoch ältere Gebäude.
Insgesamt gefällt mir Bukarest besser als erwartet, da ich mehr mit sowjetischer Plattenbauarchitektur gerechnet hatte. Trotzdem ist schade, was an historischer Substanz zerstört wurde.
Das nächste Mal werde ich mich wohl aus Budapest melden. Der letzte Nachtzug wartet...
Fotos aus Sofia und Bukarest: