Mittwoch, 30. Dezember 2009

Unialltag und ein bisschen Abwechslung

So Leute,

die ersten Tage hier in Istanbul haben mir den Alltag wieder vor Augen geführt. Heißt, ich durfte und darf weiterhin jede Menge wiederholen, was ich in der Uni verpasst habe. Zudem muss ich unnötigerweise noch ein Projekt mit Präsentation vorbereiten, bevor Mitte bis Ende Januar unsere finalen Klausuren stattfinden. Die meisten Erasmusstudenten befinden sich zudem noch in den Ferien und werden erst nächste Woche wieder aufkreuzen.

Stimmung ist dementsprechend eher mittelprächtig. Zudem waren die Tage zuhause, die ich sehr genossen habe, eindeutig zu kurz.

Heute gings allerdings bei strahlendem Sonnenschein und definitiv mehr als 15 Grad nach der Vorlesung mal raus, auf den kleinen Berg oder Hügel, den Istanbul zu bieten hat. Ca 260 m hoch bietet er eine hervorragende Aussicht über die Stadt und darüber hinaus. Auf dem Berg befindet sich ein kleiner Park mit Pinienhain und unendlich viele (Handy?-, Fernseh?-, Rundfunk?-) Sendemasten. Die Bilder werde ich euch nicht langvorenthalten.

Morgen wirds zu Silvester eine feine Gaudi auf einem Boot auf dem Bosporus geben. Mal sehen, was Istanbul und die Bar an Bord so zu bieten haben.

Die nächsten Woche werden lernreich und danach nahen die Verabschiedungen von all den Leuten, die nach einem Semester wieder nach Haus fliegen werden.

P.S.: Auf dem Flug von Deutschland nach Istanbul habe ich es endlich mal geschafft die Tatsache des kostenlosen Alkohols an Bord zu nutzen und den Wein, den Whiskey und das Bier probiert. Letzteres war am Besten, der Rest nichts besonderes...

Montag, 28. Dezember 2009

Auflösung

Die Zugfahrt von Istanbul nach Neheim habe ich nicht allein unternommen, wie man anhand der letzten Einträge glauben könnte, sondern mit Tobias.
Da dieser jedoch seine Eltern zu Weihnachten mit seiner Anwesenheit überraschen wollte, durfte ich vorher nichts verraten. Die Überraschung ist gelungen und die Fahrt war eine tolle Zeit.

Nun bin ich wieder heil in Istanbul, wo 15 Grad sind, aber leider auch Regen.

Donnerstag, 24. Dezember 2009

Wien: Apfelstrudel, Symphoniker und Hundertwasser

Am ersten Abend war ich von Wien etwas enttäuscht: bereits um 19 Uhr hatte kein Supermarkt mehr offen, die Preise in Imbissen und Restaurants sind wirklich hoch und in den Kneipen rund um das Hostel war nichts los. Kino wollte ich mir nicht antun und so endete ich früh im Bett.
Am nächsten Morgen musste ich mich erst einmal warm einpacken um die -11 Grad Celsius auszuhalten. Da die Innenstadt vom Hostel aus fußläufig gut erreichbar ist, habe ich mich über das Museumsquartier und die Hofburg in die Innenstadt vorgearbeitet. Auch hier gab es jede Menge Weihnachtsmärkte, die mir jedoch nur als Kulisse für meine Fotos dienten. Etwas geschockt war ich vom Stephansdom. Nicht, weil dieser so hässlich wäre, sondern weil man allen Ernstes 12 Euro bezahlen sollte, um die Krypta und den Turm zu besuchen. Auch das Mittelschiff durfte man nur nach Bezahlung betreten.
Weiter gings hiernach zunächst zum Rathaus und danach zum Schloss Belvedere.
Abends gelang dann noch ein Highlight, da ich mir die Wiener Symphoniker anhören durfte.

Der nächste Tag stand im Sinne der Museen. Zunächst habe ich mir jedoch das Schloss Schönbrunn und den Prater angeschaut. Letzterer ist derzeit leider geschlossen, nur das Riesenrad drehte einsam seine Runden.
Hiernach habe ich mich zum Hundertwasserhaus begeben und das zugehörige Kunstmuseum besucht, das neben der Hundertwasser-Dauerausstellung noch eine Wanderausstellung zu der Fotografin Annie Leibowitz zeigt.

Vorgestern ging es dann von Wien nach München, wo die Wärme des Föhnwindes schon fast unangenehm war und nur noch Schneereste übrig waren. Während des fünfstündigen Aufenthaltes habe ich mich bis zum Viktualienmarkt begeben, kurz in den Dom geschaut und den Turm der St.-Peter-Kirche bestiegen, wo sich ein toller Blick auf die Stadt erleben lässt. Zuguterletzt gab es dann im Augustinerkeller noch eine Maß.

Jetzt bin ich heil in Neheim angekommen und kann mich von den Strapazen der Reise erholen. Fünf Hauptstädte in zwölf Tagen waren eine anstrengende, aber auch tolle Erfahrung. Meine Aufnahmefähigkeit ist mittlerweile auch erschöpft. Ich freue mich auf das Weihnachtsfest, bevor es kurz vor Silvester wieder nach Istanbul zurückgeht.

Allen Mitlesern wünsche ich ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

Sonntag, 20. Dezember 2009

Bratislava: die unerwartete Perle

Erstaunlicherweise hat mir Bratislava sehr gut gefallen, was vermutlich auch an meinen geringen Erwartungen lag. Die historische Innenstadt ist zwar klein, aber schön und mit Charme. Im Moment gibt es einen netten Weihnachtsmarkt, wo sich Touristen und Einheimische treffen. Leider wurde auch in Bratislava während der 70er Jahre ein großer Teil der Altstadt für eine Brücke und Schnellstraße zerstört, doch das Verbliebene lohnt sich: der Burgberg, eine große Kirche und das alte Stadthaus.
Außerhalb des Zentrums findet man viele Plattenbauten und weniger schöne Ecken. Auch mein Hotel war im Industriegebiet, jedoch mit der Tram gut erreichbar.
Am ersten Abend gings in die KGB-Kneipe - sehr empfehlenswert, da gut besucht, gute Stimmung und günstiges Bier (0,5 l für 1,10 €). Zudem habe ich dort das Nationalgericht der Slovakei gegessen - Bryndzové halušky: erinnert sehr an Kässpätzle.
Den zweiten Tag in Bratislava habe ich für einen Ausflug genutzt, da ich in der Stadt alle Sehenswürdigkeiten am ersten Tag abgehakt hatte. Mit dem Bus ging es in den Ort Devin, in dem es eine interessante Burgruine gibt. Auf der anderen Seite der Donau konnte man schon Österreich sehen...

Nun bin ich in Wien angekommen. Allerdings haben hier alle Geschäfte am Samstag bereits um 18 Uhr geschlossen und auch sonst ist hier nicht viel los. Mal sehen was das heutige Besichtigungsprogramm bringt.

Fotos aus Bratislava:
Bratislava

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Schönes Budapest

Budapest ist bisher von allen gesehenen Städten eindeutig die Schönste und Interessanteste. Nach der Burg in Buda und einer der Thermalquellen stand am zweiten Tag Pest auf dem Programm.
Es ging morgens um 10 Uhr mit einer Führung durch das Parlament los und einer weiteren Führung durch die Synagoge (zweitgrößte der Welt) weiter. Anschließend brauchte ich eine kleine Stärkung, bei der ich mich auf den Budget-Ratschlag des Lonely Planets gestützt habe, was gar nicht schlecht war. Allerdings nähert man sich hier preislich gesehen schon wieder Westeuropa an.
Hiernach bin ich über die Andrassy ut spaziert, mal wieder ein Boulevard, der der Champs Elysees nachempfunden wurde. Allerdings hat man die Franzosen überholt, da man mit der Metro drei Jahre früher fertig war und somit die erste Linie in Kontinentaleuropa für sich beanspruchen konnte.
Auf einem der vielen kleinen Weihnachtsmärkte gab es den ersten Glühwein. Hier sind viele, viele Touristen unterwegs und davon scheinbar die Mehrheit aus Österreich.

Heute nachmittag gehts weiter nach Bratislava. Die Stadt ist vergleichsweise klein und ich bin gespannt was man dort sehen kann. Danach drei Tage Wien, ein halber Tag München und dann werde ich hoffentlich zuhause sein.

Fotos aus Bukarest und Budapest:
Bukarest und Budapest

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Bu...Bu...Budapest

Am zweiten Tag in Bukarest habe ich mir noch den "Arcul de Triumph" angesehen. Erinnert nicht nur vom Namen her an Paris, sondern wurde auch nach dem französischen Vorbild gebaut. Genauso wie der Nordbahnhof hier und die Champs Elysees.

Dort in der Nähe befindet sich auch der wunderschöne Herastrau Park, mit einem großen See. Anschließend ging es nochmal zurück in den historischen Teil Bukarests und an den Platz der Revolution. Vom Haus der ehemaligen Staatssicherheit ist nach der Revolution nicht mehr viel stehengebliebe, man hat dann aber die Fassade stehengelassen und ein modernes Gebäude hineingebaut. Dort befindet sich ein Cafe, dessen Wände in schwarz-weiß Fotos Ausschnitte der Revolution zeigen.

Zum Glück war ich dann frühzeitig am Bahnhof, da ich fast den Zug verpasst hätte. Auf meiner Reiseverbindung stand eine andere Abfahrtszeit als auf der Reservierung. Zum Glück hat es dann funktioniert und es ging wieder im Schlafwagen (gleiches Modell wie von Sofia nach Bukarest) los. Diesmal gab es sogar einen Speisewagen, dessen Angebot jedoch spärlich und meine rumänischen Leis auch nicht mehr zahlreich waren.

Morgens war ich von der Verspätung von einer Stunde überrascht, habe dann aber die Zeitverschiebung entdeckt :)


Hier in Budapest musste ich erstmal den Schlüssel für mein gemietetes Apartment organisieren. Liegt sehr zentral und hat alles, was man braucht.
Dann gings ab nach Buda, dort habe ich den Burghügel erkundet, der einen guten Blick über Budapest offeriert und einige historische Gebäude.
Abends habe ich dann eine der Thermalquellen genossen und bin ins Szechenyi Bad gegangen. Das Gebäude wurde 1908 gebaut und besitzt einen großen Innenhof, auf dem sich drei große Schwimmbecken befinden. Diese sind echt heißt, was bei den Außentemperaturen zu einer Nebelwand führt. Zusätzlich gibts einige Saunen und jede Menge Massagestrahlen etc. War sehr entspannend...

Jetzt gehts gleich mal zum Parlament, für Fotos habe ich grad keine Zeit.

Sonntag, 13. Dezember 2009

Sofia, Bukarest

Noch einige Nachträge zu Sofia, bevor ich über das nächste Reiseziel Bukarest berichte.

Ein Überbleibsel aus der sowjetischen Zeit sind Kiosks, deren Verkaufsfenster sich auf Knöchelhöhe befinden, man sich also zum Einkaufen erheblich bücken muss. Verkauft wird dort immer auch sehr günstiger Wodka, teilweise ist die Flasche ab 3 Euro erhältlich.
Die Stadt ist zugepflastert mit McDonalds, es gibt Stellen, wo sich um Umkreis von 200m drei verschiedene befinden. Ebenfalls auffällig ist die hohe Anzahl von deutschen Mercedes S-Klassen z.B. aus Bottrop oder Göttingen.
Außerhalb des engen Innenstadtrings gibt es auch in Sofia viele Bettenburgen sowjetischer Bauart, wie ich bei einem kurzen Abstecher in die Sofia Mall feststellen konnte.
Das Hostel hatte echt einen klasse Service: abends gibt es jeden Abend für jeden ein Bier und Pasta umsonst. Zudem immer wertvolle Tipps und Erklärungen. Nicht vergessen sollte man beispielsweise in der Tram ein Ticket für das Gepäck zu kaufen. Leider war ich zu dem Zeitpunkt noch viel zu krank um das geniale Abendessen wahrnehmen zu wollen. Mittlerweile bin ich aber über den Berg, konnte heute das erste Bier der Fahrt genießen und fühle mich voller Tatendrang.

Da man in Sofia ja so unerwartet schnell mit der Stadtbesichtigung fertig war und ich keine Lust auf eines der Museen hatte, habe ich mir glatt mal wieder die erste Halbzeit der Bundesliga-Konferenz angesehen.

Von Sofia ging es dann abends im Nachtzug weiter, diesmal ohne Kohlen, aber mit doch guter Heizung. Die Schlafwagenbegleiterin war diesmal weiblich, stank nicht nach Alkohol, sprach aber auch kaum Englisch. Sehr ärgerlich war aber, dass das Bett irgendetwas zwischen 185 und 190 cm in der Länge misst und man da als 195 cm große Person nicht besonders bequem schläft.

Zum Glück wurde ich zur Passkontrolle geweckt und konnte so die Überquerung der Donau bewundern, die an der Stelle echt breit ist. Die umgebende Landschaft war verschneit, was das Ganze noch eindrucksvoller machte. Leider hat sich die gewünschte Verspätung nicht eingestellt, so dass der Zug tatsächlich schon um 6 Uhr Bukarest erreichte. Zwei Stunden habe ich im McDonalds verbracht und mich in den Stadtführer eingelesen. Danach ging es mit einigen Umwegen zum Hotel, das unmittelbar neben dem Bahnhof liegt.

Bukarest ist erheblich mehr durch die Zeit des eisernen Vorhangs und der Diktatur unter Ceausescu geprägt als Sofia. Er hat in den 80ern ein komplettes Stadtviertel niederreißen lassen um das Casa Poporului zu bauen, das zweitgrößte Gebäude der Welt hinter dem Pentagon.

Ziemlich größenwahnsinnig das Ganze. Heute beherbergt es Parlament und Senat. In einer Führung habe ich einen Einblick in das prunkvolle Innere werfen können - allein die Stromrechnung soll pro Monat 300.000 € betragen. Im Inneren sind jede Menge Marmor, Mahagoni und Kristall verbaut worden.

Weiter gings über den Nachbau der Champs-Elysees (nur etwas breiter und länger), mit jeder Menge Springbrunnen in der Mitte bis zum zentralen Platz Piata Unirii, wo ich auf dem Weihnachtsmarkt Würstchen gegessen habe und nebenan im sowjetisch anmutenden Einkaufscenter gestöbert habe. Der kleine historische Stadtteil, der Ceausescus stadtplanerische Phase überlebt hat, ist wirklich nett anzusehen und beinhaltet viele sehenswerte kleine Kirchen.

Zudem ist die Uni nicht fern und von dort aus der Platz der Revolution. Einige wenige Einschusslöcher sind noch zu finden, ebenso einige Plattenbauten, es dominieren jedoch ältere Gebäude.

Insgesamt gefällt mir Bukarest besser als erwartet, da ich mehr mit sowjetischer Plattenbauarchitektur gerechnet hatte. Trotzdem ist schade, was an historischer Substanz zerstört wurde.

Das nächste Mal werde ich mich wohl aus Budapest melden. Der letzte Nachtzug wartet...


Fotos aus Sofia und Bukarest:

Sofia und Bukarest

Samstag, 12. Dezember 2009

Sofia: klein, aber fein

Ich muss sagen, dass man in Sofia wirklich alles Sehenswerte innerhalb einiger Stunden abhaken kann. Nach einem sehr guten Hostel-Frühstück habe ich heute den Spaziergang entlang der Sehenswürdigkeiten vollendet. Allenthalben sieht man Weihnachtsdeko, ganz im Gegensatz zu Istanbul.

In der Stadt erinnert nur wenig an die sowjetische Vergangenheit. Die Bausubstanz ist älter und schöner :) Natürlich gibt es einige sowjetische Denkmale, die jedoch in erbärmlichem Zustand sind.
Hauptattraktion Sofias ist die große Aleksander Nevsi Kirche, die beeindruckend, aber viel zu dunkel ist.

Interessant finde ich die offenherzige, sexuelle Werbung, die an jeder Straßenecke zu sehen ist. Das Land scheint also keineswegs prüde zu sein. Bei einigen Frauen, die man hier im Minirock bei ca 0 Grad sieht, frage ich mich auch, ob sie nicht gewisse Dienstleistungen offerieren.

Heute hat es hier geschneit, jedoch blieb der Schnee nicht liegen. Gleich gehts zum Bahnhof und dann mit dem Nachtzug nach Bukarest. Ich hoffe auf mindestens 90 Minuten Verspätung, da die planmäßige Ankunft viel zu früh um 05:44 Uhr ist.

Freitag, 11. Dezember 2009

Erste Erlebnisse in Sofia

Der Zug fuhr heute morgen mit nur! 90 minütiger Verspätung in Sofia ein. Dort hieß es erst einmal die kyrillischen Buchstaben verstehen, um die richtige Tram zu nehmen und jemanden suchen, der außer Russisch auch Englisch spricht. Dann gings zum Hostel: sehr freundliches Personal, es gab direkt Tee und eine kurze Einweisung in die Stadt. Bin in einem schönen Apartment untergebracht, das sehr schick eingerichtet ist und insgesamt vier Zimmer besitzt. Sofia ist überschaubar, alt und sehr westlich geprägt. Man kann alle Sehenswürdigkeiten in ca 3 Stunden erlaufen, die Hälfte davon habe ich heute erledigt, der Rest kommt morgen. Die Personen in der Innenstadt sind durchweg reich oder zumindest wohlhabend, die vorherrschenden Automarken sind Mercedes und BMW. Armut habe ich nur vom Zugfenster aus in den Dörfern gesehen.
Leider bin ich immer noch ziemlich angeschlagen, habe trotz 6 Grad, langer Unterhose, zwei Pullovern und Winterjacke gefroren. Der Stadtrundgang war trotzdem gut, wenn auch anstrengend. Nun ist es halb acht und ich fühle mich total erschlagen - werde nun schlafen. Hier einige erste Fotoeindrücke:

Sofia

Im Nachtzug in Bulgarien...

Die Heimreise ist ganz gut losgegangen. Gestern abend fuhr der Nachtzug pünktlich um 22 Uhr aus dem Bahnhof Sirkeci in Istanbul. Leider bin ich nicht 100%ig fit, habe aber wohl wenigstens das Fieber überstanden.
Der Schlafwagen stammt aus Görlitz (DDR Produktion) und wird mit einem Kohleofen beheizt. Die Abteile sind für jeweils für drei Personen ausgelegt (Stockbetten), etwas eng, aber doch komfortabel. Gegen halb vier wurden wir dann das erste Mal geweckt: Passkontrolle an der Grenze. Hierzu musste man aussteigen und sich einen Stempel abholen.
An der bulgarischen Grenze lief das Ganze für mich etwas bequemer ab, da die Beamten in den Zug gekommen sind. Kaum zu glauben, dass ich jetzt schon in der EU bin.
Nun ist es 8 Uhr morgens, es sieht draußen ziemlich trostlos und kalt aus.

Montag, 7. Dezember 2009

Das war Indien

Leider sind die kurzen 8 Tage nun vorbei, in denen ich unglaublich viele neue Eindrücke gewinnen konnte. Auf jeden Fall werde ich irgendwann noch einmal nach Indien zurückkommen, das Land ist wirklich reizvoll. Allerdings muss man sich an die Mentalität hier gewöhnen.
Umso mehr bewundere ich wie Isabell hier als blonde Frau allein zurechtkommt.

Heute Nacht bin ich von Chandigarh zum Flughafen in Delhi gereist, was wieder ein kleines Abenteuer war. In der Theorie einfach: Bus zum Flughafen nehmen - fertig.
In der Praxis sieht das so aus: Mittags zum Busterminal gefahren und erfahren, dass angeblich alle Deluxe-Busse ausgebucht sind. "Aber kommen Sie doch um 23 Uhr wieder, dann können Sie noch Plätze bekommen. - Nein, Reservierungen gibt es nicht."

Also das Taxi mal vorsorglich auf 21:45 bestellt. Um 22 Uhr angerufen und erfahren, dass die Reservierung nicht gespeichert wurde. Also etwas Druck gemacht und siehe da, das Taxi war um 22:20 da. Dann zum Busbahnhof, wo ein heilloses Chaos herrschte. Man fragt fünf Leute und bekommt fünf verschiedene Antworten, wo man sich anstellen muss, welche Busse es gibt und wieviele Plätze noch frei sind. Nach einigen schweißtreibenden Minuten habe ich dann ein Ticket (im wahrsten Sinne des Wortes) ergattert. Der Bus fuhr natürlich nicht zum Flughafen, sondern nur ins Zentrum Delhis. Mein Sitznachbar war sehr gesprächig und sehr Wikipedia-belesen und hat mir alle möglichen Fakten erzählt. Irgendwann habe ich dann aber zwei Stunden schlafen können. Durch Zufall habe ich einen Express-Bus erwischt, der statt fünf nur vier Stunden nach Delhi brauchte. Dort angekommen, wurde ich von Rikschafahrern umlagert, die mich am Liebsten in ihre Rikschas gezerrt hätten. Ich hatte mir jedoch ein Taxi vorgestellt und habe einen Mitreisenden danach gefragt. Er hat sich dann der Rikschafahrer angenommen und mir erklärt, dass mich einer zum Taxistand fahren würde. Kaum saß ich dann drin, wollte mir der Fahrer die Fahrt zum Flughafen zu einem unverschämten Preis aufschwatzen. Das habe ich mir nicht bieten lassen und wäre fast wieder ausgestiegen.
Nach einiger Verhandlung haben wir uns dann aber auf einen sehr vernünftigen Preis geeinigt. Trotzdem war ich jetzt im dunklen, dreckigen und smogreichen Delhi dem Fahrer ausgeliefert. Schnell habe ich die Entscheidung bereut nicht auf das Taxi bestanden zu haben, da wir durch echt einsame Gegenden gefahren sind. Im Endeffekt bin ich aber nach 45 Minuten heil am Terminal angekommen. Zwischenzeitlich habe ich noch einige Versuche abblocken müssen mich zu irgendeinem Hotel zu fahren.

Es war mittlerweile vier Uhr morgens - noch knapp 7 Stunden bis zum Flug. Leider kam ich aber nicht ins Terminal. Dort darf man nämlich erst 3 Stunden vor Abflug rein. Das haben mir die Soldaten mit den MGs schnell klargemacht. Es gibt gegenüber aber eine Visitors Lounge, in der ich dann mehr schlecht als recht noch etwas Schlaf gefunden habe (Tasche als Kopfkissen, Wertsachen in den Boxershorts...).
Im Endeffekt hat aber wohl alles gut geklappt - ich habe nur 23 statt der erlaubten 30 kg Gepäck und werde gleich noch einen einstündigen Zwischenstopp in Dubai haben. In Istanbul werde ich erstmal Wäsche waschen, da es Donnerstag ja schon auf die Zugreise gen Deutschland geht (Vorausgesetzt, es klappt alles mit den Tickets).

Samstag, 5. Dezember 2009

Dharamsala: Klein-Tibet in Indien

In den letzten Tagen waren wir wie angekündigt in Dharamsala: am Fuße einiger 4000m-Berge, die mit Schnee bedeckt waren.
Los ging es Mittwochnacht um 1 Uhr mit einer abenteuerlichen Tour. Für die Fahrt in das Exilquartier des Dalai Lama benötigt man normalerweise 7-8 Stunden, wir schafften es jedoch in 5. Nicht nur die Geschwindigkeit war beeindruckend, sondern auch die Tatsache, dass die Straßen ausschließlich aus Schlaglöchern zu bestehen scheinen und die Federung des Busses auch nicht mehr die Beste war. Also wurde man alle paar Minuten mal wieder einige cm aus dem Sitz geschleudert. Zum Glück war es Dunkel, so konnte man nur erahnen wie schmal die steilen Serpentinen waren, die der Bus in unglaublichem Tempo nahm. Der von uns gewählte "Deluxe"-Bus würde in Deutschland wohl keinen TÜV mehr bekommen...
Nach der anstregenden Fahrt, auf der ich nicht viel geschlafen habe, kamen wir um 6 Uhr beim Hotel an und haben noch einige Stunden Schlaf nachgeholt.

Dharamsala ist ein sehr kleiner Ort, der aus engen Gassen besteht, in denen sich Geschäft an Geschäft reiht. Die meisten verkaufen handgefertigte Schals, Mützen, handschuhe oder Socken. Zudem kann man tibetische Flaggen, Taschen und vieles mehr erwerben. In den Gassen spazieren viele buddhistische Mönche umher, ebenso viele Touristen und Volunteers, die hier unentgeltlich der tibetischen Exilbevölkerung helfen. Insgesamt wirkt es wenig indisch, mehr tibetisch. Scheinbar leben dort auch viele "Aussteiger" und "Althippies". Der Sitz des Dalai Lama ist sehr bescheiden und viel kann man nicht sehen. Allerdings gibt es einen sehr beeindruckenden Tempel und ein Tibet-Museum. Am zweiten Tag haben wir eine kleine Wanderung unternommen und im Nachbardorf den Wasserfall angesehen (siehe Fotos). Tibetisches Essen wie Thukpa (Nudeleintopf mit Gemüse) oder Momos (Gefüllte Teigtaschen) musste ebenfalls probiert werden.

In der letzten Nacht ging es dann wieder zurück, so dass wir heute morgen um 3 Uhr in Chandigarh waren. Heute abend steigt eine Abschiedsparty für eine der AIESEC-Praktikantinnen.

Hier sind einige Fotos aus Chandigarh und Dharamsala:

Indien Teil 3

Mittwoch, 2. Dezember 2009

Der morbide Charme alternden Betons...

...findet sich in Chandigarh zur Genüge. Da die gesamte Stadt im Wesentlichen aus Beton gebaut wurde und zwar nun vor 50-60 Jahren, erkennt man so langsam die Alterungserscheinungen. Ich persönlich finde das hochspannend und bin ganz fasziniert von dem Gedanken, dass die gesamte Stadt geplant wurde und sich nicht von selbst entwickelt hat.

Gestern nachmittag war ich im City Museum und im Cultural Arts Museum, die beide ganz interessant sind. Fotoeindrücke seht ihr unten. Dann bin ich weiter zum Regierungsviertel (sowas wie die Landesregierung) gelaufen, durfte dort aber nicht hinein, da man eine Genehmigung benötigt. Hier im Stadtviertel war Gemüsemarkt, den ich mir angesehen habe. Viele der Obst- und Gemüsesorten kannte ich nicht, aber die Atmosphäre war nett. Erinnert sehr an türkische Märkte und Basare. Mit Ausnahme der Kuh natürlich, die von den Standbetreibern immer wieder verjagt wurde und dann doch ganz gemächlich wieder angelaufen kam.

Heute werde ich shoppen gehen und dann mit Isabell heute nacht nach Dharamshala fahren. Der Ort ist sehr bekannt, da die Exil-Regierung des Dalai Lama dort ihren Sitz hat. Beeindruckend soll vor allem die Landschaft sein, da man sich dort schon mitten im Himalayagebirge befindet. Wird bestimmt kalt...

Fotos der letzten beiden Tage:
Indien Teil 2


P.S.: Hier ist noch ein Link zu einem Video der ARD, das eine Zahnbehandlung in Indien zeigt. So etwas kann man hier wirklich beobachten.


ARD Dokumentation über einen Zahnarzt in Indien - MyVideo
(Nichts für sensible Menschen)

Dienstag, 1. Dezember 2009

Chandigarh: eine Musterstadt in Indien

Gestern in Chandigarh/Panchkula (ist der Nachbarort, in dem Isa wohnt) ist gleich mal der Riesenunterschied zu Delhi und scheinbar zum Rest Indiens aufgefallen: Die Stadt ist viel grüner, die Straßen breiter und überall ist viel Platz (die Häuser stehen nicht direkt an der Straße, sondern zurückgesetzt).

Isa wohnt mit ihren 7 Mitbewohnerinnen und einem Mitbewohner in einer ganz netten Wohnung. Trotzdem sind ganz schön viele Leute auf kleinem Raum untergebracht, so dass auch im Wohnzimmer die Feldbetten stehen. Auf warmes Wasser muss man meist verzichten, ebenso auf eine Waschmaschine. Stromausfälle sind an der Tagesordnung und es kann auch mal passieren, dass kein Wasser aus der Leitung kommt.

Zunächst hat Isabell mir die Nachbarschaft gezeigt: sehr hübsche Häuser des Mittelstandes, ein netter Platz mit vielen Geschäften und den Kühen am Straßenrand. Ebenfalls am Straßenrand: Friseure, Ärzte etc., die dort ihre Dienstleistungen anbieten.
Zur Stadterkundung sind wir mit der Fahrradrikscha in Richtung Isabells Büro gefahren und haben dort in der Nähe zu Mittag gegessen - chinesisch, sehr lecker. Nettes Detail: Nach dem Essen wurde ein kleiner Teller mit Gewürzen gereicht, mit denen man seinen Atem erfrischen kann.
Ein kleines armes Kind haben wir glücklich gemacht, indem wir ein Trinkpäckchen Orangensaft verschenkt haben.

Als erstes stand dann der Einkaufssektor auf dem Plan: ein großer, großer Platz mit allen möglichen Geschäften (Adidas, United Colors of Benetton etc.), die wohl eher von der gehobenen Mittelschicht und Oberschicht besucht werden. Einige Male wurden wir dabei von bettelnden Frauen ziemlich aufdringlich begrapscht. Kein schönes Gefühl.
In einem Café haben wir uns dann noch mit einigen Indern zusammen fotografieren lassen, für die Isabell mit den blonden Haaren wohl wirklich eine Attraktion ist. Auch sonst drehen sich immer wieder Leute um oder machen Fotos.
Weiter gings zum Rock Garden - der Attraktion Chandigarhs - auf 10 ha ist ein sehr interessanter Park entstanden, der größtenteils durch Müll gestaltet wurde: zerbrochene Teller oder Steckdosen. Weiterhin gibt es einige Wasserfälle und viele interessante Skulpturen. Alles sehr nett anzusehen.
Zuletzt haben wir uns noch den Sukhna-See angesehen: ganz schön, man kann Tretboot fahren oder einfach am Ufer entlangspazieren.

Abends gings dann mit den AIESECern in eine Nudelbar. Es gab leckere Spaghetti, die etwas indisch gewürzt waren und indisches Kingfisher-Bier.

Inder stehen wohl sehr auf Kautabak, wird hier allenthalben auf die Straße gespuckt. Gerade habe ich aber auch gelesen, dass Zigaretten in Chandigarh verboten sein sollen.
Bemerkenswert ist, dass hier fast alles Rikschas mit Auto-Gas fahren und somit relativ sauber sind. Auch sonst ist viel weniger Dreck in der Luft als in Delhi.

Ich sitze jetzt zuhause während alle anderen arbeiten. Gleich werde ich Wäsche waschen und einkaufen, bevor ich mich mit Isabell zum Mittagessen treffe.