Die letzte gemeinsame Strecke mit Christiane führte von Greymouth nach Christchurch, also von der West- zur Ostküste. Hierbei musste der Arthur's Pass auf ca. 1000m überquert werden, was landschaftlich sehr schön war. Zwischendurch machten wir noch an einer Höhle halt, die wir mit passendem Equipment, sprich Taschenlampen, hätten durchqueren können. Einziges Problem dabei: Ein Fluss führt durch die Höhle, so dass man dabei ordentlich nass wird. Nunja, auch der Einblick in die Tunnelröhre war schon sehenswert. Leider schlug auf der weiteren Fahrt das Wetter um und bei der Ankunft in Christchurch hatten wir nicht nur noch ewig Zeit bis chrissis Flug, sondern auch Regen. Was macht man so einer Situation? Man geht in den Zoo. Dieser war sogar mit einem Kiwi-Haus ausgestattet, doch trotz zweimaligen Besuch desselben konnten wir keinen lebendigen Kiwi sehen. Dafür entschädigte die Giraffenfütterung, die wir mitmachen durften und bei der wir die Giraffen mit Zweigen fütterten. Die Nashörner nebenan durften wir dann leider nicht selbst füttern, das übernahmen die Wärter.
Nachdem ich Chrissi dann am Flughafen abgesetzt und mich durch den Feierabendverkehr zum Hostel durchgearbeitet hatte, ist mir das Ausmaß der Zerstörung durch das Erdbeben zum ersten Mal richtig bewusst geworden und ich konnte nachvollziehen, dass dies noch immer das Hauptthema jeder Nachrichtensendung ist (trotz Japan). Direkt am Hostel waren einige Häuser und eine Kirche stark beschädigt und das angrenzende Stadtzentrum darf größtenteils noch immer nicht betreten werden. Abends hatte ich mich mit Carolin, einer Karlsruher Villigsterin, zum Essen verabredet. Leider waren von dem indischen Restaurant, in das wir wollten, nur noch Trümmer übrig. Wir landeten schließlich bei Subway und anschließend im Cafe. Superinteressant, was sie so alles so berichten hatte. Danke nochmal für die hilfreichen Tipps!
Am nächsten Tag gings dann in den Süden nach Dunedin. Im Hostel hatte ich noch eine Mitfahrerin ausfindig gemacht, die allerdings nach einiger Zeit etwas anstrengend wurde. Sie ist mittlerweile 28 Jahre alt und hat seit dem Abi fast ausschließlich im Ausland allerlei Minijobs bestritten. Auf dem Weg schauten wir uns die Stadt Oamaru an, die jede Menge "alte" Geschäftsbauten besitzt (Banken, Handelsgebäude, Lagergebäude etc.). Weiter gings zu den Mouraki Boulders. Das sind Steinkugeln, die am Strand herumliegen und die vom Wasser in Millionen von Jahren rund geschliffen wurden. Ganz nett anzusehen, aber sehr touristisch überlaufen. Richtig gut gefallen hat mir dann Dunedin. Die Stadt ist als Studentenstadt bekannt, was man ihr auch ansieht. Ungefähr ein Viertel der Einwohner sind Studenten und die Uni ist die größte in Neuseeland (ca. so groß wie das KIT). Ich habe es echt bedauert nur ein paar Stunden in der Stadt bleiben zu können. Es gibt einige interessante Bauwerke (Kirchen, Bahnhof etc.) und einige extrem steile Straßen (u.a. die laut Guiness Buch der Rekorde "steilste bewohnte Straße der Welt"). Die Nacht verbrachte ich dank Couchsurfen etwas außerhalb bei einem extrem netten Paar, die gerade ihr Kind erwarten und ein tolles Haus mit grandiosem Blick besitzen. Er kommt aus der Nähe von Stuttgart, sie ist Kiwi und beide sind schon extrem viel gereist. Ich habe mich unglaublich wohl gefühlt und wäre gern länger geblieben. Doch wollte ich weiter zum Highlight meiner Tour - den Milford Sounds.
Die Fahrt von Dunedin nach Te Anau war ziemlich unspektakulär oder anders gesagt: langweilig. Allerdings war ich voller Vorfreude, da ich wirklich viel Gutes über die Milford Sounds gelesen und gehört hatte und das Wetter absolut mitspielte. Te Anau ist das Dorf, von dem alle Touren zu den Milford Sounds starten, das aber selbst ziemlich langweilig und touristisch überlaufen ist. Ich blieb also nicht lange dort, sondern machte mich direkt auf den Weg zu den Sounds. Auch hier war der erste Teil der Strecke (immerhin nochmal ca. 120km) eher attraktionsarm, doch irgendwann werden die Berge immer höher und die Flüsse immer interessanter. Ein schöner Zwischenstopp waren die Mirror Lakes, in denen sich die Berge ringsherum spiegeln. Etwas später ergaben sich die ersten Blicke auf schneebedeckte Gipfel. Vor dem letzten Abschnitt der Straße muss man einen Tunnel passieren, der an sich auch eine Attraktion ist. Er wurde Anfang ddes 20. Jahrhunderts als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme in 16 Jahren Arbeit fertiggestellt wurde. Der über einen Kilometer lange Tunnel ist einspurig, unbeleuchtet und weist ein erhebliches Gefälle auf. In Europa wäre so etwas vermutlich nicht erlaubt. Nach dem Tunnel eröffnet sich dann ein tolles Panorama und die Straße schlängelt sich ins Tag hinab. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei einer interessanten Felsenansammlung, durch die sich das Wasser den Weg gebahnt hat bzw. die Felsen ausgehöhlt hat, war ich dann am Ziel. Der Ausblick ist echt fantastisch. Glücklicherweise war ich für den Hauptbesucherstrom zu spät und konnte dennoch eine der letzten Bootstouren buchen. Das Geld war gut investiert, denn es geht den 11km langen Fjord entlang bis zum Meer. Das Wasser ist dabei durchweg über 200m tief! Nach der Eiszeit wurden hier Täler geflutet und nun ragen die Berge steil aus dem Wasser auf. Die Nacht verbrachte ich auf einem Campingplatz zwischen den Milford Sounds und Te Anau mit einem tollen Blick auf die Berge. Doch leider machten sich die Mücken über mich her und die Nacht wurde auch kälter als erwartet.
Von Te Anau galt es dann schon den Rückweg in Richtung Norden anzutreten. So machte ich mich auf den Weg nach Queenstown, sammelte noch zwei Anhalterinnen auf und hatte Unterhaltung auf der Fahrt. Queenstown liegt landschaftlich extrem schön am See mit Alpenpanorama im Hintergrund. Die Stadt ist als Partymetropole und Touristenmetropole bekannt. Zudem kann man von dort alle möglichen Extremspoirtarten starten. Ich gönnte mir einen sehr leckeren Burger und verweilte ein paar Stunden, was mir vollkommen ausreichte. Eine kurze Zwischenpause legte ich in der Goldgräberstadt Arrowtown ein, in der eine kleine Siedlung der chinesischen Goldgräber erhalten ist, was ganz sehenswert ist. Wanaka, mein nächstes Ziel, liegt ähnlich schön wie Queenstown, ist aber kleiner und nicht so überlaufen. Dort entschied ich mich dann spontan dazu Fallschirmsprung zu machen, da die Landschaft einfach grandios ist. Dann ging alles auch ganz flott und wenig später befand ich mich im Flugzeug auf dem Weg in knapp 4000m Höhe. Es war eine grandiose Erfahrung und ich bereue es nicht. Knapp eine Minute freier Fall und dann am Fallschirm zu Boden schweben: fantastisch! Daran kam bisher nichts anderes mehr heran. Schlussendlich machte ich mich aber noch auf den Weg zur Westküste, wo ich dann in einem kleinen Dorf übernachtete.
Der folgende Tag begann mit jeder Menge Regen und Nebel, so dass ich von der schönen Landschaft kaum etwas mitbekam. Nach kurzer Zeit erreichte ich den Fox-Gletscher. In einer kurzen Regenpause konnte ich den halbstündigen Fußweg zum Gletscherende bewältigen und einige schöne Fotos machen. Auf dem Rückweg erwischte mich dann allerdings ein heftiger Schauer und durchnässte mich. Der zweite, nur 25km entfernt liegende, Gletscher Franz Josef lag leider vollkommen im Nebel, so dass ich ihn nur erahnen konnte. Nach diesen Stopps ging es darum möglichst viel km zurückzulegen, da am kommenden Tag die Fähre gegen Mittag gebucht war und ich dort rechtzeitig ankommen musste.