Zehn Tage Syrien - was gibts da zu sagen? Zunächst mal, dass die Syrer durchweg sehr freundlich und hilfsbereit sind, dabei nicht aufdringlich oder nervend.
Los gings im Istanbuler Schneechaos, wodurch das Flugzeug erstmal mit jeder Menge Alkohol enteist wurde (da hätte sich jeder Alkoholiker gefreut). Über Adana und Antakya gings mit Bussen in Richtung Aleppo. Im zweiten Bus waren jede Menge Erasmusstudenten aus Istanbul. Lief auch alles ganz gut - bis zur Grenze: Ein Mädel hatte kein Visum, musste also an der Grenze eins beantragen was einige Zeit in Anspruch nahm. Währenddessen gab es bei den mitreisenden Türken eine kleine Meinungsverschiedenheit, was in einer blutigen Nase endete. Damit aber nicht genug. Endlich in Syrien sollte ich an einer Tankstelle in einen Minibus nach Aleppo umsteigen, da es für die anderen weiter nach Damaskus ging. Mit im Minibus war eine Deutsch-türkisch-arabische Familie, die dann erfuhr, dass wir plötzlich nochmal für die Reststrecke zahlen sollten. Das Busunternehmen (Günsas) hat uns also einfach abgezockt. Schnell kochten die Emotionen wieder hoch und der Familienvater ging auf den Busfahrer los. Nach einigen hitzigen Diskussionen fuhr der Bus dann einfach. Wir fuhren also etwas genervt mit dem Minibus nach Aleppo.
Aleppo hat mich gleich entfernt an Indien erinnert. Dabei aber ordentlicher, sauberer und weniger Verkehr. Der Souk (Basar) hat eine tolle Atmosphäre, ganz anders als in Istanbul, wo es ausschließlich touristisch ist. Direkt dahinter liegt die imposante Zitadelle auf einem kleinen Hügel und überragt die Stadt.
Das syrische Essen ist vielfältig und lecker. Dazu gehören verschiedene Sorten von Kebap, Falafel, aber auch Houmus.
Von Aleppo gings mit dem Zug (sehr moderne koreanische Züge, in der ersten Klasse) weiter nach Hama, dem Ort, der für seine Wasserräder sehr bekannt ist. Nachdem man dort allerdings zwei Stunden am Fluss entlanggelaufen ist, hat man von der Stadt auch alles gesehen. Aus diesem Grund stand am selben Tag gleich noch die Burg "Krak des Chevaliers" auf dem Programm. Eine der besterhaltenen Burgen, die ich jemals gesehen habe. Im Prinzip befinden sich zwei Burgen ineinander, die wohl auch niemals eingenommen wurden. Rückfahrt gestaltete sich etwas schwierig, da die Minibusse sehr unregelmäßig fahren. Also erstmal ne halbe Stunde gelaufen, dann per Anhalter bis zur Autobahn mitgenommen worden und dort einen Minibus erwischt.
Am nächsten Morgen musste ich feststellen, dass man nicht alles planen kann. Extra früh aufgestanden um den Zug nach Damaskus zu erwischen und dann sind alle Plätze ausgebucht. Kurzerhand den Bus genommen.
Damaskus haben Tobias und ich Freitags erreicht, was aufgrund des muslimischen Feiertages bedeutete, dass die meisten Geschäfte geschlossen hatten und alles etwas ausgestorben wirkte. Am nächsten Tag kam dann die Atmosphäre des Souks auch hier zum Tragen. Zudem ist die Umayyaden-Moschee sehr beeindruckend. Ansonsten gibt es in der Altstadt viele kleine Gässchen, die zum Entdecken einladen.
Schwer war dann allerdings in diesen Gassen zusammen mit anderen Erasmusstudenten aus Istanbul, mit denen wir verabredet waren, eine Kneipe zu finden. Biertrinken scheint nicht zu den Freizeitbeschäftigungen der Syrer zu gehören. Trotzdem waren wir irgendwann erfolgreich und hatten einen lustigen Abend. Schon lustig Leute aus Istanbul und sogar Karlsruhe! (Gruß an Sarah) in Damaskus wiederzutreffen :)
Leider hat nach zwei Tagen in Damaskus mein Magen-Darm-Trakt verrückt gespielt und mich einen Tag lang im Hotelzimmer gehalten. War aber nicht so schlimm, da ich sowieso die größten Sehenswürdigkeiten schon gesehen hatte.
Weiter gings nach Palmyra, eine Ruinenstadt des römischen Reiches aus dem 1. Jhd. nach Christus. Den besten Eindruck bieten wohl die Fotos (siehe unten).
Auf dem Rückweg habe ich noch eine Nacht in Aleppo verbracht und schließlich einen Tag in Antakya, bevor es von Adana wieder zurückging. Bevor man Syrien verlässt, muss man noch die Ausreisesteuer begleichen, die derzeit bei ca. 8 Euro liegt.
Fotos aus Syrien: