Dienstag, 29. September 2009

Uni, die 2.

Heute morgen traf ich mich ausgeschlafen mit Tobias und wir gingen nochmals unseren Studenplan durch. Hierbei entdeckten wir im Internet weitere Vorlesungen, so dass wir nun mittlerweile bei 8 angekommen sind (eine Vorlesung geht hier 3 Stunden). Leider hatten wir die erste heut morgen bereits verpasst, fuhren dann aber rechtzeitig zur zweiten mit dem Bus zur Uni (neuer Rekord: 20 Minuten Fahrzeit).

Da unerwarteterweise noch Zeit blieb, kümmerten wir uns um unseren Studentenausweis und unser Ticket für den öffentlichen Nahverkehr, sowie einige weitere organisatorische Dinge. Diesmal war das Ganze noch etwas schwieriger, da im Erasmusbüro niemand! Englisch sprach. Dank der google-Übersetzungshilfe und später einigen netten Studenten, die für uns übersetzten, bekamen wir aber was wir wollten.

Die erste Vorlesung, Consumer Behavior, war wirklich gut. Eine sehr engagierte Professorin hielt die Vorlesung vor ca 15 Studenten (Mehrzahl Erasmusstudenten, davon Mehrzahl Franzosen). Bei den türkischen Studenten war nur ein männlicher Student unter uns. Man muss sich die Vorlesung eher wie in der Schule vorstellen, was wirklich vorteilhaft ist. Nach der Besprechung des Vorlesungsinhalts fingen wir direkt mit den ersten Kapiteln an. Sie spricht ein sehr gutes Englisch (und Deutsch, da sie in Hamburg promoviert hat) und kann gut erklären. Ich hoffe, dass alle weiteren Vorlesungen auch so werden. Auch sie hat uns wieder vor dem Verkehr in Istanbul gewarnt uns weitere hilfreiche Tipps zum Überleben in Istanbul gegeben.

Heute abend war ich mit Tobias und seinen Mitbewohnern (Bruder und Schwester) hier in Moda unterwegs. Hier gibt es sehr schöne Ecken, die ich noch nicht kannte.

Uni: Einschreiben, Kurswahl

Gestern war es soweit: Tobias und ich sollten um 14 Uhr an der Uni erscheinen. Wo, das ging aus der Mail nicht hervor. Also mal ne Stunde früher dagewesen und uns umgeschaut. Der Campus ist ca eine halbe Stunde Busfahrt von hier entfernt und recht schön. Viele Bäume und gepflegte Gebäude. Der Eingang ist hier wie an jeder Uni stark gesichert: Man kommt nur mit Studentenausweis auf das Gelände und wird auf Waffen untersucht. Zusätzlich befinden sich bewaffnete Sicherheitsleute auf dem Campus. Nach außen ist der Campus mit einem Zaun und Stacheldraht gesichert.

Ca gegen 13 Uhr betraten wir das Erasmus-Office der Uni, um uns zu registrieren und ggf. auch unsere Kurse zu wählen. Dort begegneten wir gleich weiteren Erasmusstudenten, die alle mindestens genauso verloren herumstanden wie wir. Nach kurzer Zeit wurde uns klar, dass man hier nur mit aktivem Ansprechen und Nachfragen etwas herausfinden konnte. Die mangelnden Englischkenntnisse der Erasmusmitarbeiter machte dies nicht gerade leichter. Schließlich erhielten wir die nötigen Formulare für den Studentenausweis und durch andere Erasmusstudenten auch die Information wie wir unser Studenten-Akbil (quasi ein Studenten-Bus-und-Bahn-Ticket), die nötigen Formulare für die Aufenthaltsgenehmigung bekommen würden und wo wir uns um 14 Uhr treffen sollten.

Brav dann mal mit den anderen mitgelaufen. Dort angekommen, kam nach einigen Minuten eine Professorin und fragte uns wer denn von den Erasmusleuten International Finance gewählt hätte, denn diejenigen sollten mit ihr mitkommen. Tobias und ich waren uns etwas unsicher, da wir eigentlich noch keine Kurse gewählt hatten, liefen aber einfach mal mit einem anderen Mädel hinterher. Relativ schnell wurde dann aber klar, dass die Professorin einfach ihre erste Vorlesung halten wollte und nichts von einer Einführungsveranstaltung wusste. Sie sagte uns dann, dass sie auch eine Orientierung geben würde und dass das vollkommen ausreichen würde. Wir waren jedoch skeptisch und gingen doch lieber zu den anderen Erasmusstudenten zurück, deren Zahl sich auf ca 40-50 erhöht hatte - die meisten davon Deutsche.

Nach kurzer Wartezeit wurden wir dann von den drei Erasmusmitarbeiterinnen der Fakultät abgeholt und die Einführung konnte losgehen. Interessanterweise wurde in der folgenden Stunde viel zu Istanbul erzählt (schlimmer Verkehr, Wetter nicht immer schön, nicht alle Menschen sind nett), aber sehr wenig zur Uni. Gut, dass wir zuvor schon durch die anderen Erasmusstudenten die notwendigen organisatorischen Basics erfahren hatten.
Gegen Ende wurden dann Stundenpläne ausgeteilt, die die derzeit gehaltenen Vorlesungen für die unterschiedlichen Semester beinhalten. Unsere Aufgabe bestand nun darin hieraus die Vorlesungen auszuwählen, welche in unserem Learning-Agreement stehen. Leider fanden Tobias und ich nur fünf Vorlesungen, wovon sich zwei noch überschneiden. Der Rest unserer 28 zuvor in Karlsruhe ausgewählten und mit den Professoren abgesprochenen Vorlesungen war nicht auffindbar (Wir hatten extra viele ausgewählt, um eine Wahlmöglichkeit zu bekommen). Man konnte uns auf Nachfragen aber auch nicht weiterhelfen, so dass wir jetzt vor der Situation stehen noch irgendwo die gewünschten Vorlesungen herzubekommen. Zum Einen werden wir uns mal andere Fakultäten und zum Anderen die Graduate Programme anschauen. Zur Not müssten wir Kurse wählen, die uns in Karlsruhe keinerlei Nutzen bringen würden (z.B. modern history of middle east). Das offizielle Programm war zu diesem Zeitpunkt zuende. Man teilte uns nur noch mit, dass wir jeden Professor fragen müssten, ob wir die Vorlesung bei ihm hören dürften, da einige ihre Unterrichtssprache zwischenzeitlich mal ins Türkische wechseln.

Zufälligerweise trafen wir beim Verlassen des Gebäudes noch ein Mädel, die dem Studenten-Erasmus-Club angehört hatte und uns noch kurz einige wesentliche Infos geben konnte (many parties, cheap drinks, holidays in november etc.).

Später dann noch mal wegen einiger Formulare von Fakultät zu Erasmus-Office und wieder zurück zurFakultät geschickt. Typische Bürokratie eben...

Als Ausgleich waren wir dann noch in der Carrefour-Shopping-Mall, die allerdings nicht besonders spannend und schon etwas heruntergekommen war. Besser war hingegen das Abendessen, das wir mal wieder mit den Leuten vom Sprachkurs genossen - Wohnung im Astoria Hotel mit genialem Blick.

Uni-Campus und Crèpe-Essen

Montag, 28. September 2009

!! günstiger Flug nach Istanbul !!

Da Niklas wie im letzten Post geschrieben leider nicht nach Istanbul kommen kann, erhaltet ihr hiermit die Möglichkeit das Ticket zu übernehmen.

Reisezeitraum: Mittwoch 30.09. bis 07.10.
Abflugort: Köln/Bonn
Airline: Condor

Über den Preis kann verhandelt werden, soweit ich weiß, hat Niklas ca 150 Euro für beide Flüge zusammen bezahlt.

Melde dich bitte rasch bei mir, wenn du Interesse hast!

Erasmusparty, Moda, Taksim

Heute werden wir uns zur Uni begeben und mal schauen, was uns dort erwartet. Der Campus ist wirklich nah und liegt gleich hinter dem Fener-Stadium. Zum Laufen ist es dennoch zu weit, so dass wir uns später einen Bus suchen werden. Ein Fahrrad wäre ideal, scheint aber in Istanbul ausschließlich als Spielgerät für Kinder und nicht als Fortbewegungsmittel genutzt zu werden. Hier in meinem Stadtviertel Moda gibt es sogar Fahrradwege, die ich allerdings noch nie in Nutzung erlebt habe.

In den letzten Tagen habe ich mit Tobias unser Viertel erkundet und wir sind überaus begeistert. Eine tolle Promenade am Meer, ein großes Kneipenviertel und überaus große Einkaufsmöglichkeiten runden das perfekte Viertel ab. Weitere Informationen kann man hier finden.

Der gestrige Abend war sehr erholsam, da wir ausnahmsweise mal nicht unterwegs waren, sondern über das Internet die Wahl verfolgt haben und dabei die letzte Woche rekapituliert haben.
In der letzten Woche sahen unsere Abende folgendermaßen aus (Die Zeit in Klammern bezeichnet die Uhrzeit des Schlafengehens - man beachte, dass von Mittwoch bis Freitag jeweils um 9 Uhr Sprachkurs war, was mit Aufstehen um 07:30 verbunden war):

  • Freitag 18.09.: Besuch des Restaurants Beyti und anschließendes Biertrinken und Tavla-Spielen in Moda (02:00)
  • Samstag 19.09.: Fahrt nach Bursa und Bier in Besiktas (03:00)
  • Sonntag 20.09.: International-Bayram bei Philipp (07:00)
  • Montag 21.09.: International-Bayram bei Sara (03:00)
  • Dienstag 22.09.: Nargile-Rauchen mit Besuch aus Karlsruhe vom Sprachkurs (01:00)
  • Mittwoch 23.09.: Treffen mit Mete und Murat, Bier in Beyoglu nahe Tünel (04:00)
  • Donnerstag 24.09.: Erasmusparty (03:00)
  • Freitag 25.09.: Beyoglu mit Abel (französischer Türkisch-Sprachschüler), Philipp und weiteren Erasmusleuten aus Karlsruhe (03:00)
  • Samstag 26.09.: Biertrinken und Livemusik genießen mit Mete und Philipp (03:00)

Wie ihr seht, war das eine volle Woche, die sicherlich auch eine Ausnahmeerscheinung darstellte. Es war immer sehr lustig und wir haben sehr interessante Gespräche geführt.

Am Donnerstagabend war ich auf der Erasmusparty der Istanbul Teknik Üniversitesi (ITÜ). Für mich begann der Abend dabei gegen 23 Uhr mit der Ankunft zum Vorglühen in einer Kneipe unterhalb des Galataturms. Wie erwartet war der Alkohol schon reichlich geflossen und erste Pärchen hatten sich gefunden, wobei die türkischen Studenten hier mit Abstand die meisten Erfolge vermelden konnten. Trotz alldem war die Stimmung gut und Deutsch die vorherrschende Sprache des Abends, da mehr als die Hälfte der Gaststudenten aus Deutschland stammen.
Im weiteren Verlauf des Abends ging es noch in den Joker Club, der empfehlenswert, aber an diesem Abend zu voll war.
Genial war die Rückfahrt gegen 2 Uhr, da ich wie in den letzten Tagen oft mit dem Dolmus heimfuhr. Wie in einem der vorherigen Artikeln beschrieben, handelt es sich dabei um ein Sammeltaxi, in welchem man interessante Gespräche führen kann. An diesem Abend lernte ich einen Erasmusstudenten aus Deutschland von der Marmara-Universität kennen, der interessanterweise nur wenige Straßenzüge von mir entfernt wohnt.

Am Samstag war das Wetter echt genial und so entschloss ich mich mal eine kurze Hose anzuziehen. Zunächst war diese Entscheidung auch absolut richtig, was sich nach dem Untergang der Sonne jedoch rasch änderte. Aber man ist schließlich nicht umsonst in der Türkei, wo Klamotten sehr günstig sind. Also gleich mal in Besiktas umgeschaut und erstaunlicherweise direkt neben dem Original-Adidas-Store eine Einkaufspassage mit lauter Klamottenläden gefunden. Dort habe ich dann nach kurzem Anprobieren eine 20 € "original" Levis-Jeans erhalten und den Abend zum Glück nicht gefroren. Sehr beliebt ist hier auch Abercrombie, Hugo Boss und vieles weitere mehr. Kann man alles überall original zu deutschen Preisen kaufen (teilweise etwas günstiger, habe auch schon Levis-Jeans für 50 € gesehen und Chucks für 45 €) oder an jeder Ecke noch etwas "originaler" und dann kosten T-Shirts nur noch 3-6 €, Pullover 10 € und Hosen eben 20 €.

Ich hatte mich sehr über den Besuch von Niklas gefreut, der Mittwoch landen sollte. Doch leider hat er sich beim Fußball mal eben das Schienbein gebrochen, liegt im Krankenhaus und wird nicht kommen können.

Donnerstag, 24. September 2009

türkisches Essen

Hier lernt man mit kleinen Videos wie man türkisches Essen kochen kann. Werde ich demnächst vielleicht einmal ausprobieren...

Internet in der Türkei

Hier in der Türkei sind einige Webseiten aufgrund von republikfeindlichen Veröffentlichungen (Beleidigungen von Atatürk etc.) gesperrt. Hierzu gehört z.B. die Videoplatform youtube oder justin.tv

Interessanterweise wurde aber selbst Herr Erdogan schon beobachtet wie er in der Türkei auf youtube gesurft hat - ihr merkt selbst, dass man die Sperre umschiffen kann.

Dieselbe Möglichkeit besteht auch für Dienste wie Zattoo (kostenlose Bereitstellung der öffentlichen Fernsehsender), die eigentlich nur im Inland nutzbar sind. Somit habe ich auch die Möglichkeit online deutsches Fernsehen zu empfangen. Meist habe ich dazu aber sowieso keine Zeit.

Fotoausstellung

Heute war ich noch in einer Fotoausstellung, von der ich in der Hürriyet Daily News gelesen hatte.

Es war nicht einfach zu finden und befindet sich in einer Wohnung, die gerade renoviert wird, aber ist wirklich beeindruckend.

Anbei einige Fotos und der Ausstellungstext:

Fotoausstellung Istanbul


Şevket Şahintaş

Das andere Gesicht der Nacht

8.9.-13.10.2009

Eröffnung 8.9.2009, 19.00 Uhr

İstiklal Cad. No.348 Suriye Pasajı Kat 4 Tünel

Nach Einbruch der Dunkelheit mischen sich unter das Publikum auf den Strassen Beyoglus Müllsammler, Obdachlose, Nachtarbe­iter, Prostitu­i­erte und Transvestiten um das wenige was ihre Existestenz ermöglicht zu verdi­enen bzw. aus den Resten der Wohlstandsgesellschaft zu suchen.

Seit fünf Jahren dokumenti­ert Şevket Şahintaş (*1966) auf seinen Nachtschichten als Taxifahrer die nächtliche Realität und Brutalität auf den Strassen Istanbuls in Fotografien und Videos.

Manzara Perspectives zeigt in den Räumen der Suriye Passage eine Auswahl der insgesamt etwa 2000 Bilder und filmischen Sequenzen.

Nach diversen Ausstellungen und Reportagen im Ausland ist „Gecenin öteki yüzü“ (Das andere Gesicht der Nacht) die erste Ausstellung von Şevket Şahintaş in der Türkei.

Auf seinen Fahrten durch das nächtliche Istanbul hält Şahintaşim Blitzlicht seiner Kamera Momente, Gesten und Gesichter fest, die sonst im Dunkel der Nacht oder im toten Winkel der Ignoranz verborgen ble­iben. Vor dem Hintergrund grellbele­uchteter Werbetafeln wirken sie wie dunkle Schatten und die Sujets der Konsumkampagnen werden ihr gegenüber gegensatz

Dieser Kontrast zwischen Sche­inwelt und Realität könnte nicht of the normed soci­ety härter und zynischer sein. Ein paar Strassen weiter treffen die ungestillten Begehren und Sehnsüchte der normi­erten Gesellschaft und des Nachtgewerbes aufe­inander und führen zu Exzessen, Prostitution und Aggressionen.

Eine Fotoserie zeigt einen Mann, der von einer Bushaltestelle zur Nächsten läuft, um dort jewe­ils nur etwa für eine halbe Stunde Schlaf zu verwe­ilen. Während hinter ihm auf der Reklametafel ein Supermodel die Augen aufre­isst und eine Bank Profite verspricht verändern sich das Ersche­inungsbild des Mannes sowie seine Situ­ation im Gegensatz zu den Werbeversprechen und –Kampagnen nicht.

Diese ca. hundert Aufnahmen entstanden in einem Zeitraum von knapp drei Jahren in dem Şahintaş diesem Mann immer wieder begegnete.

Auf vielen der Fotografien von Sahintas wird nicht nur die Divergenz sondern ganz einfach die Koexistenz von Ide­alvorstellungen wie sie in der Werbung strategisch bemüht werden und den Individuen, die sich ausserhalb jeglicher Zielgruppe und gesellschaftlicher Normen befinden, deutlich.

Wo familiäre Strukturen aufhören und die Gesellschaft mit Ausgrenzung reagi­ert, ble­ibt ein blosses Überleben, daß von Brutalität und Einzelgängertum gekennze­ichnet ist. Diese Haltlosigkeit gewährt trotz des Verlusts des eigenen Raums nur einen ausschnitthaften Einblick und verde­utlicht die Unmöglichkeit, aus diesen Fotos die Einzelschicksaäle abzulesen.

Şevket Şahintaş geht es vor allem darum, die blosse Existenz, die weder eine Lobby hat, noch wahrgenommen wird, zu zeigen als etwa die Bilder zu politisi­eren oder funktionalisieren.

Auch inszeni­ert er das Elend nicht, um zu schocki­eren oder zu provozi­eren, wie es etwa das Ziel der Werbekampagne Toscanellis war. Vielmehr will Şahintaş auf die realen Inszeni­erungen aufmerksam machen, die sich während der Nacht in den Strassen abspielen.